Rente / 09.12.2021

OECD: Renten finanziell und sozial nachhaltig gestalten

Organisation von 38 wirtschaftlich bedeutenden Staaten sieht Fortschritte bei der Alterssicherung, warnt aber vor dem demografischen Druck.

OECD: Renten finanziell und sozial nachhaltig gestalten. – OECD-Logo.

Paris/Berlin (oecd/sth). Die Rentnerinnen und Rentner in den meisten Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind auch während der Corona-Pandemie gut abgesichert. Für die 38 wirtschaftlich überwiegend starken Mitgliedsnationen bestehe jedoch die Herausforderung, „die Renten auf lange Sicht finanziell und sozial nachhaltig zu gestalten“, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie „Renten auf einen Blick 2021“ (englisch: Pensions at a Glance). Die Studie beleuchtet die Corona-Auswirkungen auf die Renten und bietet einen Überblick über die zwischen September 2019 und September 2021 von den OECD-Ländern gesetzlich beschlossenen Rentenreformen.

Wie viel Rente die Menschen in den OECD-Ländern künftig erwarten können, ist der Untersuchung zufolge sehr unterschiedlich. Die sogenannte Nettoersatzquote – das Verhältnis zwischen der Nettorente und dem früheren Nettoverdienst von Beschäftigten mit vollständiger Erwerbsbiografie – liege im OECD-Raum zwischen weniger als 40 Prozent, etwa in Chile, Irland oder Japan, und 90 Prozent und mehr in Staaten wie Portugal, der Türkei und Ungarn. OECD-weit liege der Durchschnitt der Nettoersatzquote bei 62 Prozent, heißt es in der Studie. Österreich gehöre mit 87 Prozent zur Gruppe der Länder, die gemessen am Bruttoinlandsprodukt am meisten für die Rente ausgeben. Deutschland und die Schweiz hätten eine Nettoersatzquote von rund 53 bzw. 51 Prozent, so die OECD.

Viele Länder mit Rentenreformen

Viele OECD-Länder hätten in den vergangenen Jahren wichtige Rentenreformen auf den Weg gebracht, heißt es weiter. Deutschland etwa habe die Grundrente eingeführt, von der Menschen der untersten Einkommensgruppen profitieren, die lange gearbeitet oder sich um Angehörige gekümmert haben. Im OECD-Vergleich bleibe die Nettoersatzquote für Niedrigverdiener jedoch auch mit der Grundrente „eher niedrig“, schreibt die in Paris ansässige Organisation. Für Grundrentenempfänger liege sie bei 58 Prozent gegenüber 74 Prozent im OECD-Durchschnitt.

Die größte Herausforderung für die Zukunft bestehe darin, die Renten langfristig nachhaltig zu gestalten, so die Studie. Etwa zwei Drittel der OECD-Länder, darunter Deutschland, nutzten in ihren Rentensystemen automatische Anpassungsmechanismen. Diese schützten die Renten vor Unsicherheit und seien „transparenter und generationengerechter“ als staatlich verordnete Anpassungen. Wenn diese Automatismen politisch nachhaltig gestaltet seien, „können sie einen wichtigen Beitrag leisten, um die Herausforderungen der Bevölkerungsalterung im Rentensystem zu bewältigen“, zeigt sich die OECD überzeugt. Sie seien aber kein Ersatz für Notfall-Reformen in einem Rentensystem, „das in die Schieflage geraten ist“.

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Autor

Stefan Thissen