Gesundheit / 16.10.2019

Prognose: 90 Millionen Adipositas-Tote erwartet

Die Menschen in den OECD-Ländern werden dicker und sterben früher. Auch Deutschland ist betroffen.

Bild zum Thema: Prognose: 90 Millionen Adipositas-Tote erwartet. Das Bild zeigt einen Mann, der mit einem Maßband seinen Bauchumfang misst.

Bad Homburg/Berlin (kjs/aze/OECD). Eine aktuelle OECD-Studie prognostiziert, dass in den kommenden 30 Jahren über 90 Millionen Menschen vorzeitig an Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herzleiden sterben werden, die mit starkem Übergewicht in Verbindung stehen. Dadurch sinkt im gleichen Zeitraum die Lebenserwartung um drei Jahre.

Jeder Vierte ist krankhaft fettleibig

Laut Studie ist in den OECD-Ländern mehr als jeder Zweite übergewichtig und fast jeder Vierte krankhaft übergewichtig, also adipös. Fettleibigkeit ist ein wachsendes Problem: Zwischen 2010 und 2016 stieg der Anteil der adipösen Erwachsenen von 21 auf 24 Prozent – ein Zuwachs von 50 Millionen. In Deutschland ist knapp jeder vierte Erwachsene adipös, in Österreich und der Schweiz etwa jeder fünfte Erwachsene.

Krank, gemobbt und schlecht in der Schule

Der Trend zu starkem Übergewicht zeigt sich besonders deutlich auch bei Kindern. Adipositas war im Jahr 2017 nach psychischen Krankheiten und Atemwegserkrankungen der dritthäufigste Grund für eine von der Deutschen Rentenversicherung getragenen Kinder- und Jugendreha.

Prävention und ein frühes Gegensteuern ist notwendig, um die körperlichen und sozialen Folgerisiken möglichst gering zu halten. Denn übergewichtige Kinder schneiden statistisch gesehen in der Schule schlechter ab, fehlen häufiger im Unterricht und haben geringere Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss. Auch sind sie insgesamt unzufriedener und werden bis zu drei Mal häufiger gemobbt als nicht übergewichtige Gleichaltrige.

Arm = dick?

Adipöse Erwachsene haben eine niedrigere Lebenserwartung und ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes. Dabei besteht mit Blick auf die 28 EU-Länder ein deutlicher Zusammenhang zum Einkommen: Frauen der untersten Einkommensgruppe entwickeln mit 90-prozentig höherer Wahrscheinlichkeit krankhaftes Übergewicht, bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit um 50 Prozent höher im Vergleich zu Gutverdienern.

Übergewicht bremst Bruttoinlandsprodukt

Die OECD-Experten erwarten, dass die steigenden Adipositas-Raten in den Jahren 2020 bis 2050 auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausbremsen werden. Im Durchschnitt gehen sie von einer Reduzierung um 3,3 Prozent aus. Am geringsten gehe das BIP in Japan mit 1,6 Prozent zurück. In Deutschland betrage der Rückgang 3,0 Prozent, während in Mexiko ein Minus von 5,3 Prozent angenommen wird.

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Autor

Karl-Josef Steden