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Arzt: Nicht nur auf höheres Rentenalter schauen

Arbeitsmediziner Hans Hasselhorn empfiehlt, bei der Erwerbsperspektive stärker auf die Würde der Menschen zu achten.

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Junge Menschen in der Arbeitsagentur Berlin Mitte laufen durch das Foyer. Bild: IMAGO / photothek / Thomas Trutschel

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Wuppertal/Nürnberg (sth). Die Politik sollte nach Ansicht des Arbeitsmediziners Hans Hasselhorn künftig nicht so sehr darauf achten, wie sich das Alter beim Austritt aus dem Berufsleben "real erhöht". Sie solle "mit gleichem Gewicht" auch auf die Menschen schauen, "die nicht mehr länger arbeiten wollen oder können", wegen der politisch beschlossenen Anhebung der Altersgrenze jetzt aber gezwungen seien, länger zu arbeiten. "Deren Zahl nimmt deutlich zu", erklärte der Arbeitswissenschaftler an der Universität Wuppertal in einem Video-Interview des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), "und auch sie sollten in Würde aus dem Beruf ausscheiden können, ohne ihre Alterssicherung zu gefährden".

Die Gesundheit sei ein zentraler Faktor für die Dauer der Erwerbsfähigkeit, stellte der Facharzt für Arbeitsmedizin fest. Etwa ein Drittel der 51- bis 65-Jährigen habe jedoch eine schlechte Gesundheit. Gerade unter den Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status seien viele gesundheitlich angegriffen, müssten aber wegen des steigenden Rentenalters weiterarbeiten. "Wir müssen in die Arbeitsfähigkeit dieser Menschen investieren", forderte Hasselhorn. Dazu gehörten entsprechend ausgestaltete Arbeitsplätze und Arbeitsinhalte.

Auffälliig ist nach Einschätzung Hasselhorns, dass in den geburtenstarken Jahrgängen jene Gruppe überwiege, die trotz ausreichender gesundheitlicher Erwerbsfähgkeit im rentennahen Alter "nicht mehr arbeiten wollen". Das weise auch auf die Bedeutung des privaten Umfelds für die Entscheidung über die eigene Erwerbsperspektive hin. Vor allem besser Ausgebildete könnten und wollten aber auch noch oft über die Altersgrenze hinaus arbeiten, erklärte der Arbeitsmediziner.   

Mehr zum Thema:

www.iab-forum.de

IAB-Video: Interview mit Arbeitsmediziner Prof. Hans Hasselhorn von der Universität Wuppertal  

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