Lübeck (drv/sth). Die positive Entwicklung bei den Beschäftigtenzahlen trotz einer stagnierenden Konjunktur wirkt sich nach Analysen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) weiter günstig auf die Beitragseinnahmen der Rentenkassen aus. So seien die Zuflüsse aus Beiträgen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent gestiegen, sagte die Bundesvorstandsvorsitzende der DRV, Anja Piel, am Donnerstag vor der Bundesvertreterversammlung, dem „Zentralparlament“ der 16 Rentenversicherungsträger, in Lübeck-Travemünde. Im vergangenen Jahr seien die Einnahmen aus abhängiger Beschäftigung um 5,5 Prozent gestiegen.
Der derzeitige Beitragssatz zur Rentenversicherung von 18,6 Prozent werde nach aktuellen Vorausberechnungen bis zum Jahr 2026 stabil bleiben, so Piel. Vor einem Jahr sei man noch davon ausgegangen, dass der Beitragssatz bereits 2025 angehoben werden müsse. Der bis 2025 gesetzlich festgelegte Beitragsdeckel von höchstens 20 Prozent werde somit voraussichtlich nicht erreicht.
Rentenversicherung weiterhin mit hoher Rücklage
Die Finanzreserve der DRV, die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage, wird nach Angaben Piels Ende 2023 voraussichtlich bei 42,7 Milliarden Euro liegen. Dies entspräche einem Minus von knapp 500 Millionen Euro. Mit 1,6 Monatsausgaben läge die Nachhaltigkeitsrücklage damit weiterhin oberhalb der Obergrenze des gesetzlich vorgesehenen Korridors von 0,2 bis 1,5 Monatsausgaben. In den Folgejahren werde die Nachhaltigkeitsrücklage nach aktueller Rechtslage bis auf die Untergrenze des Korridors zurückgehen.
Trotz der zur Jahresmitte anstehenden hohen Rentenanpassung von 4,39 Prozent in den alten und 5,86 Prozent in den neuen Bundesländern würden die derzeit hohen Preissteigerungen damit nicht vollständig ausgeglichen, sagte Piel, die im DRV-Bundesvorstand die Versichertenseite vertritt. Gleichwohl habe sich das Prinzip bewährt, dass die Renten grundsätzlich der Lohnentwicklung folgen. So hätten sich die Renten in den vergangenen zehn Jahren in jedem Jahr um durchschnittlich 2,5 Prozent im Westen und 3,6 Prozent im Osten erhöht. Im selben Zeitraum seien die Verbraucherpreise nur um durchschnittlich 1,9 Prozent gestiegen, so Piel.
- Redebeitrag von Anja Piel, Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung, zur Lage und Entwicklung der Rentenversicherung (S. 1-7 der PDF)
- Präsentation von Anja Piel, Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung, zur Lage und Entwicklung der Rentenversicherung (Folien 1-11 der PDF)
