Berlin/Frankfurt am Main (sth). Rentenversicherte Beschäftigte gehen im Schnitt etwa fünf Monate nach dem 64. Geburtstag in die Altersrente. Nach aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sieg das durchschnittliche Rentenzugangsalter 2022 gegenüber dem Vorjahr von 64,2 auf 64,4 Jahre. Der außergewöhnliche und kurzfristige Anstieg bei den Frauen von 64,1 auf 64,5 Jahre zwischen 2018 und 2019 spiegelt nach Angaben des neuen DRV-„Rentenatlas 2023“ einen Sondereffekt durch die Einführung der sogenannten Mütterrente II Anfang 2019 wieder.
Damals sorgte die Mütterrente II dafür, dass viele Frauen im Rentenalter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, pro Kind 2,5 statt zuvor zwei Entgeltpunkte für die Rente gutgeschrieben bekamen und dadurch erstmals einen Rentenanspruch hatten. Würde man diesen statistischen Sondereffekt herausrechnen, „wäre das Rentenzugangsalter annähernd konstant geblieben“, heißt es im Rentenatlas. Diese Normalisierung sei „auch daran zu erkennen, dass das Rentenzugangsalter für Frauen in den Jahren 2020 und 2021 jeweils bei 64,2 Jahren lag“.
In den Jahren zuvor gingen Frauen durchschnittlich mit 64,1 Jahren in Rente. Grund für den seit mehr als 20 Jahren anhaltenden Anstieg des Renteneintrittsalters „ist unter anderem das Auslaufen von zwei vorgezogenen Altersrentenarten“, schreibt die DRV. So konnte die frühere „Altersrente für Frauen“ etwa auf Wunsch und mit Abschlägen schon mit 60 Jahren in Anspruch genommen werden.
Berechnen Sie selbst, ab wann Sie frühestens mit und ohne Abschläge in Rente gehen können.
Späterer Rentenbeginn auch bei Erwerbsgeminderten
Immer später beginnen laut den Daten des neuen Rentenatlas auch neu bewilligte Erwerbsminderungsrenten. Während Frauen, die im Jahr 2004 gesundheitsbedingt vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden mussten, ihre erste Rente im Schnitt mit 49,1 Jahren gezahlt bekamen, war dies 2022 erst mit 53,5 Jahren der Fall. Auch für chronisch kranke oder unfallverletzte Männer stieg das durchschnittliche Rentenzugangsalter den DRV-Angaben zufolge im gleichen Zeitraum von 50,4 auf 54,3 Jahre.
Ursache dieser Entwicklung sei vermutlich, „dass das veränderte Krankheitsspektrum bei den Beschäftigten, wie es in den Diagnosestellungen bewilligter Erwerbsminderungsrenten zum Ausdruck kommt, auf den Altersdurchschnitt einwirkt“, heißt es in einer Analyse des Instituts „Arbeit und Qualifikation“ an der Universität Duisburg-Essen. So hätten die klassischen physischen Verschleißerkrankungen, sogenannte orthopädische Erkrankungen, heute ein „geringeres Gewicht bei den diagnostizierten Gründen für Erwerbsminderungsrenten“. Psychische Erkrankungen, die häufiger auch schon in jüngeren Jahren auftreten, spielten dagegen eine „stark zunehmende Rolle“, so die Sozialforscher.
