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Dachdecker: Eher EM-Rente als Altersrente

Mehr als die Hälfte der Ziegel-Verleger auf Hausdächern musste 2009 gesundheitsbedingt vorzeitig den Beruf aufgeben.

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Baustelle mit Wohn-Hochhäusern und Baukran. Bild: IMAGO / agefotostock

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Duisburg/Essen (sth). Dachdecker müssen erheblich häufiger als Beschäftigte in anderen Berufsgruppen aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden. Laut einer aktuellen Studie der Universität Duisburg-Essen mussten Ziegel-Verleger auf dem Dach, die 2009 in Rente gingen, zu 56,5 Prozent eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen – also mehr als jeder Zweite. "Das Erwerbsminderungsrisiko ist unter Dachdeckern gegenüber der Gesamtheit der Beschäftigten fast dreimal so hoch", heißt es im jetzt veröffentlichten "Altersübergangsreport" 1/2019.

Viele der knapp 80.000 fast ausschließlich männlichen Dachdecker würden bereits lange vor der regulären Altersgrenze – vielfach sogar schon in der ersten Hälfte des Erwerbslebens – aus diesem Handwerkszweig abwandern, schreiben die Studien-Autoren Martin Brussig und Andreas Jansen vom "Institut Arbeit und Qualifikation" (IAQ). Nur ein kleiner Teil der Dachdecker sei kontinuierlich in diesem Beruf tätig. "Von denen, die zwischen 1954 und 1958 geboren wurden und mit 30 Jahren in Westdeutschland in diesem Handwerk tätig waren, arbeitet nur etwa jeder Siebte bis zur Rente auf dem Dach", stellten die Forscher fest.

Hoher Krankenstand

Gesundheitliche Einschränkungen spielten dabei eine "wesentliche Rolle, wie der vergleichsweise hohe Krankenstand von über sechs Prozent zeigt", heißt es in der Studie weiter. Ältere Beschäftigte fielen "nicht nur häufiger, sondern auch länger aus". So dauere jeder zweite Krankheitsfall bei Dachdeckern im Alter von über 60 Jahren sechs Monate und mehr. "Die vermutlich unfreiwilligen vorzeitigen Abgänge aus dem Beruf wiegen besonders schwer, weil die älteren und kontinuierlich beschäftigten Dachdecker mit ihren langen Arbeitszeiten und relativ hohen Stundenentgelten einen zwar zahlenmäßig kleinen, aber hinsichtlich ihrer Erfahrung wichtigen Teil des Fachkräftereservoirs im Dachdeckerhandwerk stellen", meinen die Autoren.

Eine langfristige Fachkräftestrategie sollte nach Ansicht der Wissenschaftler deshalb darauf zielen, Beschäftigte durch Prävention sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz länger im Beruf zu halten. Wer aus gesundheitlichen Gründen den Beruf nicht mehr voll ausüben könne, solle möglichst mit anderen qualitativ ansprechenden Aufgaben betraut werden, "um einen Altersübergang in Würde zu ermöglichen". Mit dem Altersübergangs-Kurzarbeitergeld und Ideen aus dem Gewerkschaftslager lägen erste Vorschläge vor, um Einkommensrückgänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit abzufedern. "Dies könnte dazu beitragen, eine seit langem bestehende Sicherungslücke für ein berufstypisches Risiko zu schließen und die Attraktivität des Dachdeckerhandwerks zu steigern", hoffen die Forscher.

Mehr zum Thema:

www.iaq.uni-due.de

Altersübergangsreport 1/2019 des IAQ an der Universität Duisburg-Essen

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