Frankfurt (sth). Die Bundesbank warnt vor einem steigenden Druck auf die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung. "Im laufenden Jahr dürften die Ausgaben weiter zügiger steigen als die Einnahmen und damit das Defizit deutlich zunehmen", schreiben die Währungshüter in ihrem aktuellen Monatsbericht. Die noch aus den hohen Arbeitnehmer-Lohnzuwächsen von 2019 resultierende Rentenerhöhung von 3,45 Prozent in den alten und 4,20 Prozent in den neuen Ländern zur Jahresmitte 2020 bewirke im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr "einen kräftigen Anstieg" bei den Rentenausgaben.
Auf das gesamte Jahr 2021 bezogen sei – trotz einer voraussichtlichen Nullanpassung bei den Renten in den alten Ländern – ein durchschnittlicher Rentenanstieg von zwei Prozent zu erwarten, heißt es in dem Bericht. Zudem nehme die Zahl der Renten "voraussichtlich spürbar zu" und die von der Rentenversicherung mitfinanzierten Zusatzbeiträge der Versicherten zur gesetzlichen Krankenversicherung würden steigen. Zum Jahresbeginn war der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Krankenkassen von 1,1 auf 1,3 Prozent gestiegen. Insgesamt liegt der durchschnittliche Krankenversicherungs-Beitragssatz derzeit bei 15,9 Prozent – die Hälfte davon trägt die Rentenversicherung.
"Sonderregelungen" bei der jährlichen Rentenanpassung würden den "grundlegenden demografischen Druck" auf die Rentenfinanzen weiter erhöhen, schreibt die Bundesbank. Damit vermeidet es die Staatsbank offenbar, die im vergangenen Jahr von verschiedenen Ökonomen geübte Kritik am derzeitigen Rentenanpassungsmechanismus offen zu bestätigen. Altersvorsorgeexperten wie der Münchner Wissenschaftler Axel Börsch-Supan hatten sich verärgert darüber gezeigt, dass mit der Einführung von "Haltelinien" für den Rentenbeitrag und das Rentenniveau im Jahr 2018 der sogenannte Nachholfaktor in der Rentenanpassungsformel bis 2025 außer Kraft gesetzt worden war.
