München/Frankfurt (sth). Einer Einbeziehung von Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung steht der Forschungschef der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Reinhold Thiede, skeptisch gegenüber. „Alles in allem betrachtet würde ich sagen: Die finanzielle Stabilität der deutschen Rentenversicherung würde durch eine Eingliederung der Beamten (ins Rentenversicherungssystem, d. Red.) langfristig nicht verbessert“, sagte Thiede in einem Interview des "Münchner Merkur". Zwar könne eine langsame Überführung von Beamten in die DRV die Rentenkassen „aktuell leicht entlasten“. Allerdings entstünden auf lange Sicht auch „Rentenansprüche der Beamten, die in Zukunft erfüllt werden müssen“, so Thiede.
Wolle man die Staatsdiener in Zukunft, wie vor allem von der Linken seit Jahren gefordert, ins Rentenversicherungssystem einbeziehen, könnten sich die deutschen Rentenpolitiker am Beispiel Österreich orientieren, empfahl der Wissenschaftler. Im südlichen Nachbarland seien alle, die ab einem Stichtag neu verbeamtet wurden, in die Sozialversicherung eingegliedert worden. „Wer an dem Stichtag bereits Beamter war, bleibt im bisherigen System“, sagte Thiede. Man müsse eine Integration der Beamtinnen und Beamten in die DRV wegen der langfristigen Folgen aber „genau prüfen“. Aufgrund der höheren Lebenserwartung von Beamten könne man jedoch vermuten, „dass auch das am Ende kein gutes Geschäft für die Rentenversicherung wäre“.
Ein Argument für eine Einbeziehung von Beamten in den Kreis der Rentenbeitragszahler ist nach Ansicht Thiedes, dass „die Akzeptanz des Systems zunehmen (könnte), wenn alle in einem Boot säßen“. Zudem ließen sich in einem gemeinsamen Alterssicherungssystem von Beschäftigten und Staatsdienern „Solidarmaßnahmen zugunsten von Menschen mit einem niedrigeren Einkommen leichter begründen und legitimieren“, sagte der Rentenexperte. Auf die Frage, ob Beamte und Angestellte hierzulande in den kommenden Jahrzehnten in dasselbe Altersvorsorgesystem einzahlen würde, ergänzte Thiede: „Vielleicht geht man erste Schritte. Aber dass alle Beamten in 20 Jahren in die Rentenversicherung einzahlen, glaube ich nicht.“
