Hamburg/Frankfurt am Main (sth). Seit Anfang 2021 gibt es hierzulande die Grundrente - oder besser: den Grundrentenzuschlag. Diese Zulage zum selbst erworbenen Rentenanspruch können rentenversicherte Menschen erhalten, die über mindestens 33 Jahre hinweg für durchschnittlich nicht mehr als 80 Prozent des jeweiligen Durchschnittsverdiensts erwerbstätig waren, Kinder erzogen oder Pflegebedürftige - oft Angehörige - in häuslicher Umgebung betreut haben. Erste Analysen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben jedoch gezeigt, dass bis Ende 2022 nur etwa 1,1 Millionen langjährige Geringverdiener vom Grundrentenzuschlag profitierten - weil mehr als die Hälfte der eigentlich Anspruchsberechtigten wegen ausreichenden eigenen Einkommens letztlich doch keinen Zuschlag erhielt.
Viele Niedriglohnbezieher haben zudem wegen unzureichender Versicherungszeiten bisher keinen Anspruch auf die “Grundrente”. Da diese Menschen offenbar bisher immer noch vielfach Scheu haben, die ihnen zustehende Grundsicherung im Alter in Anspruch zu nehmen, plädiert der DIW-Rentenexperte Peter Haan jetzt in einem Beitrag für die Zeitschrift “Wirtschaftsdienst” dafür, die Grundrente “als wirkungsvolles Instrument gegen Altersarmut auszubauen”. Sein Vorschlag: Die Grundrente sollte “auch für Menschen mit geringeren Beitragszeiten ausgeweitet werden” und zudem als “echte Mindestrente” verankert werden, “die einen Rentenbetrag garantiert”.
Für Umbau der Grundrente wären noch Vorarbeiten notwendig
Um die von Haan proklamierte Mindestsicherung im Alter tatsächlich zu erreichen, sind aus Sicht des DIW-Fachmanns allerdings noch einige Vorarbeiten zu leisten. So müsse “das Ziel einer Grundrente als Mittel gegen Altersarmut klar benannt werden”, fordert Haan. Außerdem solle die derzeit sehr kostenaufwändige jährliche Einkommensprüfung der Grundrenten-Antragsteller “pragmatischer und günstiger organisiert werden”. Als größtes Problem sieht Haan allerdings die mit einer Ausweitung der Grundrente verbundenen Kosten an. “In jedem Fall geht es um mehrere Milliarden Euro pro Jahr”, räumt der Rentenexperte mit Blick auf die bereits jetzt benötigten knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr ein.
Eine Möglichkeit zur Finanzierung seines Vorschlags bestünde nach Ansicht Haans darin, die Renten künftig nach Jahreseinkommen gestaffelt zu berechnen. “Allerdings könnten die Mittel dann nicht für die Stabilisierung des Rentenniveaus verwendet werden”, schreibt der DIW-Experte. Um auch Haushalte mit geringen oder mittleren Renten zu unterstützen, seien deshalb “weitere Mittel notwendig”. Ob jedoch eine weitere Erhöhung der bereits jetzt mehr als 80 Milliarden Euro pro Jahr teuren Bundeszuschüsse an die Rentenversicherung möglich sei und “für die Ausweitung der Grundrente durchgesetzt werden kann, ist eine politische Frage”, so Haan. Ohne eine solche Erhöhung oder eine Anhebung der Sozialbeiträge sei das Ziel einer Einkommenssicherung durch die Grundrente aber "kaum zu erreichen”, stellt er klar.
