Berlin/Bad Homburg (sth). Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben auch im Alter von über 60 Jahren noch einen sozialversicherungspflichtigen Job – und erhöhen so ihre Rentenansprüche. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) standen im Juni 2021 knapp 2,8 Millionen Frauen und Männer im Alter von 60 bis unter 65 Jahren in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Das waren 47,5 Prozent aller Erwerbsfähigen in dieser Altersgruppe. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor. Demnach waren Mitte 2021 knapp 170.000 oder 6,5 Prozent mehr Menschen über 60 Jahre beschäftigt als im Vorjahr.
Bemerkenswert ist die anhaltend positive Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt: Im Juni 2016 hatten den Regierungszahlen zufolge erst 1,95 Millionen Arbeitnehmer oder 37,5 Prozent der rentennahen Arbeitnehmer einen sozial gesicherten Job, im Juni 2012 waren es noch 1,44 Millionen oder 29,9 Prozent gewesen. Auch ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitierten somit von dem allgemeinen Aufschwung am Arbeitsmarkt. Die BA-Zahlen bestätigen zudem, dass sich die Arbeitsplatzchancen für ältere Arbeitnehmer auch aufgrund der Pandemie nicht generell verschlechtert haben. Abzuwarten bliebt allerdings, wie sich der Ukraine-Krieg am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten auswirkt.
Ehepaare stehen im Rentenalter besser da
Die steigende Zahl von Berufsjahren und die starken Rentenanpassungen der vergangenen Jahre wirken sich auch nach dem Schritt aus dem Erwerbsleben in die Rente auf das Einkommen positiv aus. Den Regierungsangaben zufolge hatten Ehepaare im Jahr 2019 durchschnittlich 2.838 Euro netto im Monat zur Verfügung – im Westen 2.910 Euro, im Osten 2.554 Euro. Ungünstiger war die Situation jedoch für Alleinstehende – vor allem für westdeutsche Frauen: Während Männer 2019 in den alten Ländern auf ein Nettoeinkommen von durchschnittlich 1.796 Euro zurückgreifen konnten, hatten Frauen nur 1.606 Euro zur Verfügung. Allerdings hat sich laut den Regierungsdaten auch im Westen die Situation für Rentnerinnen im vergangenen Jahrzehnt deutlich verbessert.
Auch die generelle Bedeutung der gesetzlichen Rentenversicherung für die Alterssicherung in Deutschland wird durch die Angaben der Bundesregierung deutlich: Fast 91 Prozent aller Menschen hierzulande ab dem Alter von 65 Jahren beziehen eine gesetzliche Rente. Die übrigen Seniorinnen und Senioren erhalten demnach vor allem deshalb keine Rente, „weil sie in anderen Systemen (der Alterssicherung, zum Beispiel berufsständischen Versorgungswerken oder als Beamte, d. Red.) versichert sind”.
