Brüssel (sth). Nach starkem Druck der Gewerkschaften will die Regierung Kroatiens eine erst Anfang des Jahres beschlossene Rentenreform wieder rückgängig machen. Nach einem Bericht des Europabüros der Deutschen Sozialversicherung in Brüssel soll die ursprünglich vorgesehene Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre bis zum Jahr 2033 gestoppt werden und wieder das frühere Rentenalter von 65 Jahren gelten. Darübr hinaus solle der monatliche Abschlag bei einem vorzeitigen Rentenbeginn auf 0,2 Prozent reduziert werden, heißt es in dem Bericht. Durch die Reform vom Jahresbeginn sollten vorzeitige Renten mit einem Abschlag von 0,3 Prozent, höchstens aber 18 Prozent, belegt werden.
Drei Gewerkschaften hatten im Frühjahr unter dem Motto „67 ist zu viel“ eine Unterschriftenaktion gestartet. Damit wollten sie eine Volksabstimmung erzwingen, mit der die Rentenreform wieder rückgängig gemacht wird. Die Arbeitnehmervertreter argumentierten, dass unter den kroatischen Bedingungen ein Rentenalter von 67 zu hoch sei. So sei die Beschäftigungsquote der 55- bis 65-Jährigen angesichts des geplanten Rentenalters zu gering. Wer in diesem Alter arbeitslos würde, habe kaum die Chance auf einen neuen Arbeitsplatz, so die Gewerkschaften. Vielfach würden Beschäftigte auch zugunsten Jüngerer entlassen, wenn sie das Alter für die Frühverrentung erreichten.
Statt des geforderten Referendums startete die Regierung unter Premierminister Plenković kürzlich eine neue Gesetzesinitiative, in der sie die Forderungen der Gewerkschaften aufnahm. Darüber hinaus sollen auch die Arbeitsmarktgesetze angepasst werden, um längeres Arbeiten zu ermöglichen. Inzwischen gab es zum Gesetzgebungsverfahren eine öffentliche Anhörung. Die abschließende Abstimmung durch das Parlament steht allerdings noch aus.
Broschüre der Deutschen Rentenversicherung über rentenrechtliche Regelungen in Kroatien
