Ihre-Vorsorge Logo

Längeres Leben bringt keine längere Zeit im Ruhestand

Bundesregierung antwortet auf Linken-Anfrage: Gesetzliches Rentenalter langjährig Versicherter steigt schneller als die Lebenserwartung Betroffener.

Artikel vorlesen

Tags

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Rentnerpaar schaut ernst auf ein Notebook. Bild: IMAGO / Westend61 / imago stock&people

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Die Menschen in Deutschland verbringen gewonnene Lebensjahre wegen des steigenden Rentenalters künftig großteils im Arbeitsleben. So haben langjährig versicherte Männer heute im Schnitt 18,1 Rentenjahre. Im Jahr 2035 sind es nach offiziellen Prognosen noch 18,0 solcher Jahre. Die verbleibende Lebenserwartung steigt in diesem Zeitraum bei Männern im Alter von 60 Jahren aber um 1,6 auf im Schnitt voraussichtlich 23,6 Jahre. Das geht aus einer der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Bei langjährig versicherten Frauen sind es demnach in 15 Jahren noch 20,8 Jahre in Rente nach 21,3 Jahren heute. Die verbleibende Lebenserwartung ab 60 steigt bei Frauen in diesem Zeitraum von 25,6 auf 26,9 Jahre.

Der Grund für das Auseinanderklaffen ist der spätere Rentenbeginn. Wer 35 Versicherungsjahre hat und somit eine Rente für langjährig Versicherte erhält, kann heute mit 65,7 Jahre abschlagsfrei in Rente gehen, im Jahr 2035 mit 67. Wer als besonders langjährig Versicherter 45 Versicherungsjahre hat und somit früher in Rente gehen kann, hat künftig mehr verbleibende abschlagsfreie Lebensjahre ab Rentenbeginn als nur langjährig Versicherte. Doch auch bei diesen Menschen sind es etwas weniger solche Lebensjahre als heute, da auch hier das Renteneintrittsalter steigt. Der Linken-Abgeordnete Matthias W. Birkwald hatte die Regierung gefragt, wie sich die Altersgrenze für einen abschlagsfreien Renteneintritt und die verbleibende Lebenserwartung ab 60 entwickeln.

CDU-Rentenexperten fordern Streichung des festen Rentenalters

Hintergrund ist ein Positionspapier aus der CDU zur Rente, mit dem der Bundesfachausschuss Soziale Sicherung und Arbeitswelt der Partei für Aufsehen gesorgt hatte. Die CDU-Experten machen sich darin für eine Streichung des festen Rentenalters stark. „Gewonnene Lebenszeit muss (...) zum Teil in Erwerbstätigkeit verbracht werden”, heißt es in dem Papier. „Daher ist zu prüfen, in welchem Umfang die gewonnene Lebenszeit ausgewogen auf Erwerbsphase und Rentenphase verteilt werden kann.” Gedacht ist der Vorschlag für das CDU-Wahlprogramm für den Bundestagswahlkampf 2021.

Der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach warnte: „Längere Lebensarbeitszeit in Zukunft kürzt den Rentenbezug im Vergleich zu heute.” Die Lebenserwartung steige zwar, der Eintritt in die Rente steige aber schneller, so Lauterbach auf Twitter. Noch größer sei der Unterschied zwischen Arm und Reich. Ärmere stürben im Schnitt acht bis zehn Jahre früher und hätten daher oft nur rund die Hälfte von ihrer Rente.

Birkwald sagte, bereits die Politik der Rente erst ab 67 sei eine unsoziale Rentenkürzung nach dem Motto „Länger einzahlen und kürzer Rente erhalten”. Darin reihe sich der CDU-Vorschlag für einen individuellen Rentenübergang ein. „Damit sollen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber einseitig von Beiträgen entlastet werden, während die hart arbeitenden Beschäftigten in die Röhre gucken”, sagte Birkwald der dpa.

Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds sagte, seit rund 20 Jahren werde das abschlagsfreie Rentenalter mehr angehoben, als die Lebenserwartung steigt. „Beschäftigten drohen fatale Folgen, wenn Arbeitgeber, konservative und liberale Parteien den Hals nicht voll kriegen und in einem Überbietungswettbewerb immer schneller ein höheres Rentenalter wollen”, sagte sie der dpa. „Einziges Ziel solcher Forderungen ist offensichtlich, dass Unternehmen Profite steigern können.”

Mehr zum Thema

Rentenbeginnrechner

Berechnen Sie selbst, ab wann Sie frühestens mit und ohne Abschläge in Rente gehen können.


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Das Ende der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren ist ein Zankapfel der geplanten Rentenreform. Thorsten Frei wendet sich gegen SPD-Vorstellungen, wie lang die Übergangsfrist sein soll.

Time
2 Minuten

Setzt die Koalition die Rentenreform um oder überlegt es sie sich bei der populären „Rente mit 63“ noch einmal anders? Die Sozialministerin will die Reform – und macht ein Versprechen.

Time
2 Minuten

Der Kanzler macht auch nach der CDU-Schlappe in Sachsen-Anhalt klar, dass große Gesetzesvorhaben weitergehen sollen. Bei der Rente signalisiert er Gesprächsbereitschaft über eine heikle Frage.

Time
2 Minuten

Gesellschaftsforscher haben sich eine wichtige Zahl zur Rente genauer angeschaut: die statistische Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren. Wie nah liegt sie an der Wirklichkeit?

Time
6 Minuten

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt mehren sich Stimmen in der Regierungskoalition, die viele Reformpakete wieder aufschnüren wollen. Im Zentrum der Kritik: die Vorschläge der Alterssicherungskommission.

Time
2 Minuten

Der erstmalige Bezug von Altersrente lag 2025 laut Jahresbericht der deutschen Rentenversicherung bei durchschnittlich 64,7 Jahren.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026