Berlin/Bad Homburg (sth). Ende der vorvergangenen Woche war es wieder so weit: Wie zu Beginn jedes Jahres trafen sich auf Einladung des renommierten Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) bei der Deutschen Rentenversicherung etwa 200 WissenschaftlerInnen sowie ExpertInnen aus Rentenversicherung und Verbänden zu ihrer Jahrestagung. Die stand diesmal ganz im Zeichen des Themas „Nachhaltigkeit“. Und scheinbar wie auf Bestellung – wenn auch gänzlich ungeplant – leistete die zweitägige Konferenz ökologisch sogar einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Denn zum ersten Mal fand die FNA-Tagung Pandemie-bedingt vollständig digital statt.
Nach dem Willen der Veranstalter sollte sich die Konferenz an zwei Kernfragen orientieren: Was ist nachhaltig und wie lässt sich Nachhaltigkeit erreichen? Bei der Beantwortung dieser Fragen „soll die Mehrdeutigkeit des Begriffs im Blick behalten werden“, so der Auftrag an die interdisziplinär ausgesuchten ReferentInnen. „Hierzu gehört eine grundsätzliche Diskussion des Nachhaltigkeitskonzepts ... genauso wie die Erfassung der verschiedenen Facetten des Begriffs in Bezug auf das Alterssicherungssystem.“ Eine Zielsetzung, die vom virtuell zugeschalteten Publikum offenbar positiv aufgenommen wurde: An beiden Tagen nahmen nach Angaben des FNA jeweils zwischen 150 und 220 Interessierte an der eingerichteten Zoom-Konferenz teil, rund 400 Menschen verfolgten die Tagung im Livestream.
Renommierte Forscher – große thematische Bandbreite
Prof. Dr. Elke Seefried (RWTH Aachen) stellte historische Ausführungen zum Nachhaltigkeitsbegriff vor. Einen Einblick über die sich wandelnden Deutungen nachhaltiger Alterssicherung im Spannungsfeld von Kapitaldeckungs- und Umlageverfahren gab Prof. Dr. Philip Manow (Universität Bremen). Dass die Meinungen über die finanzielle Nachhaltigkeit der Alterssicherungssysteme in der Wissenschaft auch auseinandergehen, zeigten die Beiträge von Prof. Dr. Breyer (Universität Konstanz) und Prof. Dr. Camille Logeay (HTW Berlin). Mit der Frage der sozialen und politischen Nachhaltigkeit setzte sich Prof. Dr. Bernhard Ebbinghaus (Universität Oxford) auseinander.
Mit einem Vortrag zur Nachhaltigkeit der Rentenversicherung während der Corona-Krise eröffnete Rentenversicherungs-Chefin Gundula Roßbach den zweiten Tag. Ihr Fazit: Durch Rücklagen und Beiträge aus anderen Sozialversicherungszweigen erweist sich das System bislang als stabil. Zur politischen Dimension nachhaltiger Alterssicherungspolitik sprach Prof. Dr. Frank Nullmeier (Universität Bremen). Abschließend diskutierten Mitglieder der im Jahr 2001 berufenen Nachhaltigkeitskommission über den Stellenwert von Reformkommissionen bei der Gestaltung des Alterssicherungssystems – und boten dem Publikum damit einen interessanten Blick hinter die Kulissen politischer Gestaltung.
Das – unausgesprochene – inhaltliche Fazit der Tagung könnte man wohl so zusammenfassen: Nur nachhaltige Alterssicherungspolitik ist letztlich erfolgreich. Rentenversicherungs-Direktor Stephan Fasshauer zeigte sich jedenfalls über den Verlauf der Tagung sehr zufrieden: „Eine sehr gelungene Veranstaltung“. Eine Einschätzung, die von den meisten TeilnehmerInnen an der FNA-Jahrestagung 2021 geteilt werden dürfte.
