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Öffentliche Hand muss im Wohnungsbau aktiver werden

Experten sehen zunehmende Gefahr sozialer Spaltung durch steigende Wohnkosten - vor allem auch für Ältere.

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Baustelle mit Wohn-Hochhäusern und Baukran. Bild: IMAGO / agefotostock

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Berlin (sth). Bund, Länder und Kommunen müssen angesichts anhaltend steigender Wohnkosten auf dem Wohnungsmarkt wieder aktiver werden. Zudem sollten öffentliche Anreize geschaffen werden, dass auch Privatleute und Genossenschaften sich wieder stärker im Bereich des Wohnungsbaus engagieren. Anderenfalls drohen die seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts stark steigenden Mietpreise und die Verdrängung ärmerer Menschen aus ihren Wohnvierteln zu einer sozialen Spaltung zu führen. Von dieser Gefahr sind nach Ansicht vieler Experten, die am Donnerstag bei der Jahrestagung des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung über "Alterssicherung und Wohnen" diskutierten, besonders ältere Menschen bedroht.

Nach Analysen der Sozialforscherin Laura Romeu Gordo vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) sind die Mietpreise in Deutschland zwischen 2005 und 2017 im bundesweiten Durchschnitt stärker gestiegen als die gesetzlichen Renten - obwohl die Renten gerade in den vergangenen Jahren teilweise stärker kletterten als die Einkommen der Arbeitnehmer. Der Anstieg der Wohnkosten sei aber nicht nur auf die deutlich gestiegenen Immobilienpreise zurückzuführen, sagte Gordo. Zudem seien die Wohnkosten nicht in allen Regionen und Städten gleichermaßen gewachsen. Problematisch sei die Wohnkostenentwicklung aber vor allem für ältere Menschen, da die "Wohnsituation erheblich die Lebensqualität im Alter beeinflusst", sagte die Berliner Forscherin.

Leben in den eigenen vier Wänden

Das Leben in den vertrauten eigenen vier Wänden sei für viele Senioren die beliebteste Wohnform, bestätigte die DZA-Expertin entsprechende soziologische Befunde. Auch diese soziale Seite dürfte erheblich zu den seit Jahren stark steigenden Immobilienpreisen beitragen. Erst kürzlich hatte eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung gezeigt, dass die Immobilie den Bundesbürgern derzeit als Altersvorsorge-Instrument Nr. 1 gilt. Das spiegelt sich nach Angaben Gordos auch in der steigenden Quote von Immobilienbesitzern im Rentenalter wider: Während 1997 hierzulande noch 57 Prozent der Rentner ab 65 Mieter gewesen seien, "waren es 2017 nur noch 45 Prozent".

Problematisch sei allerdings, dass die Wohnkostenbelastung von Haushalten ab 65 Jahren im vergangenen Jahrzehnt für Mieter stärker gestiegen sei als für Eigentümer, so Gordo. So würden immer mehr Haushalte durch die Mietkosten "finanziell überlastet". Besonders schwierig sei die Situation von Mietern, deren Einkommen im untersten Fünftel aller Einkommensbezieher liege, erklärte die Expertin. Hier müssten inzwischen viele Menschen schon für sehr wenig Wohnraum einen erheblichen Teil ihrer Einkünfte aufwenden. Gordos Forderung an die Politik: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt müsse künftig viel stärker beobachtet und "das Wohngeld erhöht werden".

Mehr zum Thema:



www.fna-rv.de

Informationen des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) bei der Deutschen Rentenversicherung über die Jahrestagung 2020

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