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Österreich: Das bessere Land für Rentner?

DIW-Forscher: Das Rentensystem in der Alpenrepublik wirkt auf den ersten Blick sehr attraktiv. Doch nicht alles, was glänzt, ist aus Gold.

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Flaggen von Deutschland und Österreich wehen im Wind vor blauem Himmel mit Bergkulisse. Bild: IMAGO / Revierfoto

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Berlin (sth). Bei der Alterssicherung haben die Österreicher – vor allem nach Ansicht gewerkschaftsnaher Forscher – das bessere Los als deutsche Rentnerinnen und Rentner gezogen. In der Donau-Republik seien die Bürger durch ein höheres Rentenniveau sowie durch steuerfinanzierte Ausgleichszulagen bei Rentenbeginn „besser geschützt“ als Rentenversicherte in Deutschland, hieß es schon vor Jahren in einer gemeinsamen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) bei der Hans-Böckler-Stiftung, des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik sowie der Arbeiterkammer Wien. 

Vor einigen Monaten haben drei Rentenexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) das Rentensystem bei unseren südlichen Nachbarn in einer umfangreichen Expertise erneut unter die Lupe genommen und intensiv mit der Rentenversicherung hierzulande verglichen. Zentrales Ergebnis: Viele Rentnerinnen und Rentner in Österreich stehen zwar derzeit besser da als die Rentenbeziehenden in Deutschland. Ob dies aber auch langfristig so bleibt, hängt in Österreich ebenso wie bei uns von der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung ab sowie von den Erwerbstätigengruppen, die Rentenbeiträge zahlen.

In Österreich zahlen auch Selbstständige und Beamte ein

Ein entscheidender Unterschied zwischen den Rentensystemen in Deutschland und Österreich: Die Alterssicherung in der Alpenrepublik konzentriert sich nach wie vor weitgehend auf die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung, in die auch Selbstständige und – seit 2005 – zunehmend Beamte einbezogen sind. Während die Beschäftigten in Deutschland seit der Riester-Reform von 2001 das gesunkene Versorgungsniveau der gesetzlichen Rente ("Rentenniveau") durch betriebliche oder private Zusatzvorsorge ausgleichen sollen („Drei-Säulen“-Alterssicherung), setzen die Österreicher weiter de facto auf ein „Ein-Säulen“-System. 

Tatsächlich kommen österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der DIW-Studie zufolge nach dem Ende ihrer Berufslaufbahn auf erhebliche höhere Renten als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen. So erhielt ein männlicher Neurentner 2018 in Österreich mit 2.174 Euro eine im Durchschnitt rund 80 Prozent höhere Rente als ein neuer Ruheständler in Deutschland (1.199 Euro). Bei den Frauen seien es fast 60 Prozent (822 zu 1308 Euro), so die DIW-Experten Hermann Buslei, Johannes Geyer und Peter Haan. Weitere Unterschiede: Die Österreicher erhalten nicht nur mehr Rente, sie zahlen auch höhere Beiträge (22,8 statt 18,6 Prozent). Zudem tragen Arbeitgeber in Österreich einen höheren Beitragsanteil als Arbeitnehmer (12,55 Prozent statt 10,25 Prozent).

Österreich: Längere Wartezeiten und voll versteuerte Renten

Allerdings sind auch die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch in beiden Ländern unterschiedlich. Während in Deutschland selbst langjährige Hausfrauen und -männer einen Rentenanspruch haben, wenn sie "nur" zwei Kinder erzogen haben, müssen Versicherte in Österreich 15 Jahre Versicherungszeit („Wartezeit“) vorweisen. Nach Angaben der DIW-Rentenexperten gibt es noch eine Reihe weiterer Unterschiede, zum Beispiel:

  • Österreich wendet einen höheren Anteil der Ressourcen für die Alterssicherung auf.
  • Österreich reagiert mit Änderungen der “Konditionen” (höhere Regelaltersgrenze Frauen, Leistungsbemessung, Beamte) auf den demografischen Wandel. Die Leistungen gehen zurück, bleiben aber höher als in Deutschland.
  • In Österreichs Rentenversicherung gibt es eine Mindestsicherung und eine Inflationsanpassung bei höherem Rentenniveau. Diese Regelungen hätten in Deutschland, unter den gegebenen Bedingungen, "ungewollte Folgen".
  • Renten werden in Österreich bereits heute in vollem Umfang besteuert (in Deutschland derzeit zu 83 Prozent).

Angesichts dieser Differenzen – und trotz der generellen Ähnlichkeit beider Rentensysteme – lässt sich als Fazit der DIW-Studie festhalten: Bei der Alterssicherung ist in Österreich vor allem „vieles anders“ als in Deutschland.

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