Münster (drv/sth). Die Bedeutung der gesetzlichen Rentenversicherung für die Alterssicherung, das Gewicht der Selbstverwaltung und die Eigenständigkeit der Rentenversicherungs-Regionalträger: Diese zentralen Bausteine der Deutschen Rentenversicherung (DRV) standen im Mittelpunkt der Rede des neuen Vorsitzenden der Vertreterversammlung (VV) der DRV Westfalen, Stefan Nacke, bei der jüngsten Sitzung des westfälischen „Renten-Parlaments“. Nacke ist Nachfolger des im Februar verstorbenen langjährigen VV-Vorsitzenden und Sozialpolitikers Karl Schiewerling. Neben Nacke als Vertreter der Versicherten fungiert auch Ernst-Peter Brasse (Dortmund) für die Arbeitgeberseite als alternierender Vorsitzender; in der Amtsführung wechseln sie sich jährlich ab.
Bei seiner Wahl betonte Nacke die Selbständigkeit der DRV-Regionalträger: „Es gibt regionale Bedingungen, regionale Bedürfnisse, die eben nicht zentralistisch geregelt werden können und sollten. Und es gibt Bereiche, in denen wir Gestaltungsräume haben, die wir für unsere Versicherten und Beitragszahler auch nutzen sollten“, sagte Nacke. Als Beispiele nannte er die hohen Qualitätsstandards bei Rehabilitation und Prävention sowie den Betrieb eigener Reha-Kliniken.
Rentenversicherung bleibt wichtigste Säule der Alterssicherung
Der 45-jährige Landtagsabgeordnete aus Münster hob die besondere Bedeutung der gesetzlichen Rentenversicherung als wichtigste Säule der Altersvorsorge in Deutschland hervor: „Die Rente sichert nicht nur Zukunft, die Rente hat auch Zukunft, wenn sie klug an die jeweiligen Herausforderungen angepasst und fortentwickelt wird. Evolutionär mit Weitblick und nicht eben revolutionär“, sagte Nacke. Der neue Vorsitzende der Vertreterversammlung sprach sich zudem für eine starke Selbstverwaltung von Versicherten und Arbeitgebern bei der gesetzlichen Rentenversicherung aus. „Die Sozialpartner können und sollten ihre Angelegenheiten am besten zusammen und in gemeinsamer Verantwortung selbst regeln. Das hat sich bewährt“, stellte Nacke fest.
Der Vorstandsvorsitzende der DRV Westfalen, Prof. Volker Verch, und der Vorsitzende der Geschäftsführung, Thomas Keck, betonten in ihren Berichten, die DRV Westfalen habe sich auch in der Pandemie „als verlässlicher Dienstleister für seine Versicherten und Beitragszahler erwiesen“. Verch blickte zunächst auf die Entwicklung der gesamten DRV im Jahr 2020 zurück. Zu Beginn der Pandemie seien die Beitragseinnahmen deutlich zurückgegangen. Gründe dafür seien der sprunghafte Anstieg der Kurzarbeit, die erleichterte Möglichkeit zur Stundung von Beiträgen und der Rückgang der Beschäftigtenzahl gewesen. Dies habe sich jedoch im Laufe des Jahres gedreht, so dass für das gesamte Jahr 2020 noch ein Plus von 0,8 Prozent erreicht worden sei, betonte der Vorstandsvorsitzende.
10,6 Prozent weniger Anträge auf Reha-Maßnahmen
Rückläufige Zahlen wegen der Pandemie stellte der Chef des münsterschen Rentenversicherers, Thomas Keck, in einigen Teilbereichen fest. Die Antragszahlen für Reha-Maßnahmen gingen nach seinen Angaben um 10,6 Prozent auf etwas über 117.000 Anträge zurück. Das entspreche dem Stand von 2010. Viele Versicherte hätten aufgrund der allgemeinen Situation in der Pandemie auf eine Reha verzichtet oder sie verschoben, so Keck. Dagegen sei die Zahl der Anträge auf Rentenleistungen mit fast 92.000 im Vergleich zum Vorjahr „auf gleich hohem Niveau“ geblieben. Die DRV Westfalen betreute und bearbeitete laut Keck Ende des vergangenen Jahres einen Bestand von exakt 1.212.968 Renten.
Parallel zur Pandemie verlangt zudem ein Großprojekt der Rentenpolitik enorm mehr Aufwand – und allein bei der DRV Westfalen 70 neue Beschäftigte: Die Grundrente, die am 1. Januar dieses Jahres in Kraft trat und deren erste Bescheide in den kommenden Wochen herausgehen werden. Über 1,2 Millionen Rentenkonten müssen seitens der DRV Westfalen auf Ansprüche geprüft werden – zum Teil manuell. Zudem müssen Daten mit dem Finanzamt ausgetauscht und bewertet werden. Auf der anderen Seite erwarten die Sozialämter vom westfälischen Rentenversicherer Angaben über Leistungen für die Neuberechnung möglicher Grundsicherungszahlungen. Allein 137.000 dieser Auskunftsersuchen wird die DRV Westfalen bearbeiten müssen.
