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Rentenangleichung könnte länger dauern als erwartet

Studie: Große Einkommensunterschiede in manchen Branchen führen trotz rechtlicher Gleichstellung möglicherweise weiter zu Ost-West-Rentendifferenz.

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Frau im Rentenalter sitzt am Wohnzimmertisch mit einem Taschenrechner und füllt Formulare aus.

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Duisburg/Essen (sth). Die gesetzlich beschlossene Angleichung der Renten in West- und Ostdeutschland könnte länger dauern als erwartet. Grund dafür sei, dass die von 2018 bis 2024 schrittweise vollzogene "Aufwertung des aktuellen Rentenwertes (Ost) nicht ausreicht", um das gleichzeitige Abschmelzen des sogenannten Umrechnungsfaktors zu kompensieren. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Studie des Rentenforschers Andreas Jansen vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hervor. Der aktuelle Rentenwert (Ost) gibt den in den neuen Ländern erworbenen monatlichen Rentenanspruch eines Durchschnittsverdieners an. Mit dem Umrechnungsfaktor werden die Verdienste ostdeutscher Beschäftigter bisher rechnerisch auf West-Niveau aufgestockt. 

Der aktuelle Rentenwert (Ost) liegt derzeit bei 97,2 Prozent des aktuellen Rentenwerts für die westlichen Bundesländer. Er wird seit 2018 in sieben gesetzlich festgelegten Schritten bis auf 100 Prozent des West-Werts erhöht. Im gleichen Zeitraum werden die Löhne und Gehälter in den neuen Ländern stufenweise in immer geringerem Umfang rechnerisch "hochgewertet". Mit dieser Aufstockung der Ost-Verdienste werden die Beschäftigten im Osten Deutschlands seit der Wiedervereinigung ungefähr mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Westen gleichgestellt. In den Rentnerbezügen schlägt sich diese rechtliche Gleichstellung bisher aber noch nicht nieder. Darum hatte die Bundesregierung 2017 beschlossen, die Rentenhöhe in West- und Ostdeutschland bis 2025 vollständig vergleichbar zu machen.   

Ungleichheit der Renten könnte zumindest kurzfristig wachsen

Grundlage für die Studie des Ruhrgebietsforschers war eine aktuelle Analyse der Einkommenshöhe von Beschäftigten in West- und Ostdeutschland. Demnach verdienten ostdeutsche Frauen 2018 im Durchschnitt monatlich etwa 250 Euro weniger als Frauen in Westdeutschland. Bei den Männern habe die Differenz sogar bei rund 670 Euro gelegen, so Jansen. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede seien darauf zurückzuführen, "dass Männer zu deutlich höheren Anteilen im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten, wo sich die größten Entgeltdifferenzen zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen", stellte Jansen fest. Im Dienstleistungssektor sei die Verdienstangleichung dagegen in den vergangenen Jahren "weiter fortgeschritten, im öffentlichen Dienst abgeschlossen".

Der Wissenschaftler befürchtet, dass die anhaltend hohen Gehaltsunterschiede zwischen West und Ost angesichts der rückläufigen Hochwertung der Ost-Verdienste selbst bei einer gleichzeitigen Angleichung der Rentenwerte "zumindest kurzfristig die Ungleichheit bei den Renten" erhöhen könnten. Sollten die Löhne und Gehälter der Beschäftigten in Ostdeutschland in den kommenden Jahren nicht wie erhofft stärker steigen als im Westen, so stelle sich deshalb "die Frage nach flankierenden gesetzlichen Maßnahmen zur Gewährleistung gerechter Renten", so Jansen. Diese sollten jedoch "zielgenauer" sein, als es die Hochwertung der Verdienste in Ostdeutschland war, fordert der IAQ-Forscher.

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