München (tö). Von der abschlagsfreien Rente mit 45 Beitragsjahren profitieren nicht nur überwiegend Männer, sondern auch viele Frauen. Dies zeigt eine Analyse der jüngsten statistischen Daten, die die Deutschen Rentenversicherung kürzlich vorgelegt hat. Demnach gingen 2025 rund 926.000 Menschen in Altersrente.
Mehr als jeder Vierte, insgesamt rund 262.000 Neurentnerinnen und Rentner, nutzte dabei die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, die es erst nach 45 Beitragsjahren gibt, auch wenn die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht sein sollte. Darunter waren mehr als 145.000 Männer, aber auch mehr als 117.000 Frauen, darunter vermutlich viele aus Ostdeutschland, wo zu DDR-Zeiten Frauen viel häufiger erwerbstätig waren als in der alten Bundesrepublik vor der deutschen Einheit.
Dies zeigt: Von der Rente mit 45 Beitragsjahren profitieren nicht nur männliche Facharbeiter, wie die Befürworter einer Abschaffung dieser Form der Altersrente argumentieren, sondern auch viele schon lange erwerbstätige Frauen.
Vorschlag der Rentenkommission
Die Rentenkommission hatte vorgeschlagen, die abschlagsfreie Rente mit 45 Jahren abzuschaffen. Ihr Argument: “Die Abschlagsfreiheit führt faktisch zu höheren Renten zu Lasten der Versichertengemeinschaft. Da zudem keine Grenzen bei Hinzuverdienstmöglichkeiten bestehen, besteht ein zusätzlicher ökonomischer Anreiz, die Rente zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu beziehen.” Außerdem weist die Kommission darauf hin, dass die “vorausgesetzten 45 Versicherungsjahre häufiger von Männern als von Frauen, sowie von Personen mit höheren Einkommen, längeren Versicherungsbiografien und besserer Gesundheit erreicht werden”.
Wer wenig verdiene oder Lücken in der Erwerbsbiographie habe – etwa durch Kindererziehung, Pflege, Arbeitslosigkeit oder eine längere Ausbildung – erreiche die 45 Versicherungsjahre seltener. Die Kommission lehnt deshalb den bevorzugten früheren Rentenzugang allein wegen langer Versicherungszeit ab. Wer vor Erreichen der Altersgrenze aufhören will, könne dies tun, aber nur mit Abzügen. Diese Abschläge belaufen sich auf 0,3 Prozent pro Monat, in dem man vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht.
Bundesregierung noch uneinig
Ob die Bundesregierung diese Empfehlung umsetzt, ist noch unklar. Nach den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mehren sich vor allem in der SPD die Forderungen, die abschlagsfreie Rente mit 45 Beitragsjahren doch nicht abzuschaffen. Oft ist dabei von der “Rente mit 63” die Rede. Dieser Name passt aber nicht mehr, weil das Rentenalter für die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren schrittweise angehoben wird.
Keiner kann mehr mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen, es sei denn, die Abschläge wurden vorher durch Sonderzahlungen in die Rentenversicherung ausgeglichen. Vielmehr steigt das Rentenalter für die frühere “Rente mit 63” schrittweise um jeweils zwei Monate pro Jahrgang. Die “Rente mit 63” ist heute schon eine “Rente mit 64”. Für 1962 Geborene liegt sie nach Angaben der Rentenversicherung bei 64 Jahren und acht Monaten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt dann einheitlich das 65. Lebensjahr als Altersgrenze.
Höhere Renten
Die Zahlen der Rentenversicherung zeigen aber auch: Wer nach 45 Beitragsjahren eine abschlagsfreie Rente bezieht, bekommt eine überdurchschnittlich hohe Rente – die Bezieher und Bezieherinnen dieser Rente haben ja auch länger Beiträge eingezahlt. So lag die durchschnittliche Rentenzahlbetrag für besonders langjährige versicherte Männer, die 2025 erstmals diese Rente bezogen, 2025 bei monatlich 1846 Euro. Für Frauen, die 2025 erstmals diese Rente bezogen, waren es 1469 Euro. Der Beitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung ist davon bereits abgezogen. Zum Vergleich: Langjährig versicherte Neurentner und Neurentnerinnen mit mindestens 35 Versicherungsjahren erhielten 2025 durchschnittlich 1506 Euro (Männer) und 1079 (Frauen) ausbezahlt.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt die Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren strikt ab. Wer 45 Jahre und damit länger als viele andere in die Rentenkassen eingezahlt habe, solle auch früher ohne Abschläge in Rente gehen dürfen, so der DGB. Auch die Mehrheit der Bevölkerung sieht das offenbar so: Laut ARD-Deutschlandtrend vom Juli 2026 halten 70 Prozent der Befragten die geplante Abschaffung für falsch.
