Bremen/Duisburg-Essen (sth). Der renommierte Sozialforscher und Rentenexperte Gerhard Bäcker hat sich hinter den Plan der Bundesregierung gestellt, das Rentenniveau bis 2040 auf der derzeitigen Höhe von 48 Prozent zu stabilisieren. Das bisherige Szenario, dem zufolge das Verhältnis zwischen der Nettorente und dem Nettolohn eines Durchschnittsverdieners nach 45 Arbeitsjahren bis 2036 auf 45 Prozent gesunken wäre, “wird nun verhindert”, lobte Bäcker in einem Interview des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS). “Das ist keine Selbstverständlichkeit.”
Zugleich stimmte der Senior Professor am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen Beschäftigte und Arbeitgeber auf steigende Sozialbeiträge ein. “Ja, die Beitragssätze werden steigen und das betrifft alle Arbeitnehmerinnen und -nehmer, auch die mittelalten und älteren”, sagte Bäcker. “Wir müssen uns in der Tat darauf einstellen, dass es teuer wird, wenn wir die wachsende Zahl der älteren Menschen absichern wollen.” Er betonte: “Es geht kein Weg daran vorbei, auch nicht mit anderen, kapitalfundierten Finanzierungsformen.”
Einkommensentwicklung entscheidend
Bäcker räumte ein, dass steigende Beitragssätze für Beschäftigte mit geringeren Löhnen “immer schwerer verkraftbar” seien. Ob Niedriglohnbezieher durch höhere Beiträge für die Sozialkassen übermäßig belastet würden, hänge letztlich “entscheidend davon ab, wie sich die Einkommen entwickeln, insbesondere auch der Mindestlohn”, sagte der Sozialforscher. Im Falle weiter steigender Bruttoverdienste könne es trotz steigender Beitragssätze “durchaus zu realen, inflationsbereinigten Nettozuwächsen bei den Löhnen kommen”, so Bäcker.
Mit Blick auf die von der Bundesregierung geplante Einführung eines “Generationenkapitals” zur Entlastung der Rentenkassen ab 2036 sieht der IAQ-Sozialforscher zwar Risiken. “Aber damit ist kein Bruch mit dem Umlageverfahren der Rentenversicherung verbunden”, sagte Bäcker - denn das Geld für den Aufbau des geplanten Fonds stamme nicht aus den Beitragseinnahmen der Rentenversicherung. Dies sei der “wichtigste qualitative Unterschied zur ursprünglich geplanten Aktienrente”, betonte Bäcker.
