Köln (sth). Für eine grundlegende Kurskorrektur in der Rentenpolitik spricht sich das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus. In einer Studieim Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) plädiert das arbeitgebernahe Forschungsinstitut dafür, „bislang ungenutzte Stellschrauben“ einzusetzen, um die steigenden Kosten der Rentenversicherung „generationengerechter zu verteilen“. Dazu gehört nach Ansicht der IW-Forscher eine sofortige Wiedereinsetzung des Nachholfaktors in die Rentenanpassungsformel, eine „höhere Gewichtung des Nachhaltigkeitsfaktors“ zur Begrenzung der Rentensteigerungen und eine „fortgesetzte Anhebung der Regelaltersgrenze nach 2031“. Damt könne bei einer weiter steigenden Lebenserwartung zwischen den Generationen eine faire Aufteilung von Erwerbs- und Ruhestandszeiten ermöglicht werden, heißt es in der Studie.
Die drei vorgeschlagenen Maßnahmen würden im Zusammenwirken die Entwicklung des Rentenbeitragssatzes deutlich bremsen, argumentiert das IW. So ließe sich der erwartete langfristige Anstieg des Rentenbeitrags um fünf Prozentpunkte „um 2,8 Punkte reduzieren, also mehr als halbieren“. Zudem könne auf diese Weise das Rentenniveau von derzeit rund 49 Prozent „auf annähernd dem Niveau stabilisiert werden, das sich ohne Reformen einstellt“. Der bis zum Jahr 2030 gesetzlich festgelegte höchstmögliche Rentenbeitrag von 22 Prozent und das Mindestrentenniveau von 43 Prozent würden demnach „sogar bis zum Jahr 2060 eingehalten“.
Ohne Reformen führe der bevorstehende starke Anstieg der Rentnerzahl bei einem gleichzeitigen Rückgang der Zahl von Beitragszahlern in der Rentenversicherung zu drei problematischen Effekten, warnt das in Köln ansässige Institut. Der Rentenbeitragssatz werde in diesem Fall bis 2060 von derzeit 18,6 Prozent bis auf 23,6 Prozent „klettern, obwohl das Rentenniveau im gleichen Atemzug von voraussichtlich 49,4 Prozent in diesem Jahr auf 44,4 Prozent sinkt“. Zudem müssten im gleichen Zeitraum die Steuerzuschüsse an die Rentenversicherung „nominal um mehr als das Vierfache“ steigen, so das IW.
