Nürnberg (iab/sth). Insbesondere Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten, mit Migrationshintergrund, mit drei oder mehr Geschwistern und aus Ostdeutschland haben ein höheres Armutsrisiko als andere Kinder. Dagegen schützen eine höhere Bildung und eine Erwerbstätigkeit der Eltern in vielen Fällen vor Armutsgefährdung. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Das Aufwachsen in einem armutsgefährdeten Haushalt ist mit einer Vielzahl von Einschränkungen des materiellen Lebensstandards verbunden. Unterversorgung zeigt sich nach Angaben des IAB insbesondere bei höherwertigen Konsumgütern sowie im Bereich Finanzen und bei der sozialen und kulturellen Teilhabe. Beispielsweise lebten mehr als die Hälfte der armutsgefährdeten Kinder in Haushalten, denen es aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, abgenutzte Möbel zu ersetzen, einen festen Betrag zu sparen oder eine Woche pro Jahr in den Urlaub zu fahren.
Auch bei den kinderspezifischen Bedarfen wie regelmäßigem Taschengeld oder einem Platz zum Lernen ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen Kindern in Haushalten mit und ohne Armutsgefährdung. „Es bleibt abzuwarten, wie sich der Inflationsschub aus dem Jahr 2022 auf die Lebenslagen von Kindern und ihren Familien ausgewirkt hat“, so IAB-Forscher Torsten Lietzmann. „Um die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen zu verringern, bleiben die Höhe der materiellen Absicherung, die Förderung der Erwerbsbeteiligung der Eltern sowie ein einfacher Zugang zu Leistungen sinnvolle Ansatzpunkte“, ergänzt Lietzmanns Kollegin Claudia Wenzig.
- Armutsdefinition: Die Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Personen an, die in ihren Haushalten über weniger als 60 Prozent des Medians aller Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland verfügen. Um unterschiedliche Haushaltgrößen miteinander vergleichen zu können, werden alle Haushalte nach der modifizierten OECD-Skala gewichtet.
Auf Basis des Panels „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ liegt die Armutsgefährdungsschwelle 2022 für einen Ein-Personen-Haushalt in Deutschland bei insgesamt 1.153 Euro und für einen Vier-Personen-Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren entsprechend 2,1 Mal höher, also bei 2.421 Euro. Die amtliche Statistik auf Basis des Mikrozensus ermittelt für 2022 eine geringfügig höhere Schwelle von 1.186 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt.
