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Immer mehr Arbeitnehmer pendeln

Zusätzlicher Stress, hohe Kosten: Pendeln gehört für immer mehr Menschen in Deutschland zum Alltag. Besonders in Teilen Ostdeutschlands.

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Berlin (dpa). Immer mehr Beschäftigte in Deutschland pendeln zur Arbeit. Zugenommen hat die Zahl der Pendler zwischen den Bundesländern, zwischen den Kreisen und über Gemeindegrenzen hinweg. Auch die Länge des Wegs zur Arbeit ist im Schnitt gestiegen.

Im vergangenen Jahr gab es 3,40 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die ihren Arbeitsort nicht in dem Bundesland hatten, in dem sie wohnten. Im Jahr davor waren es rund 50.000 weniger – und 1999 erst 2,14 Millionen. Das geht aus Daten zu Pendlerverflechtungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann analysiert hat. Die Auswertung lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

60 Prozent aller Arbeitnehmer arbeiten in einem anderen Ort

Für die Arbeit ihre Gemeinde verlassen haben 2018 knapp 60 Prozent aller Arbeitnehmer. Im Jahr 2000 waren es lediglich 54 Prozent. Das zeigt eine weitere Auswertung der Pendlerdaten, die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung vorgenommen hat. Demnach pendelten zuletzt gar 19,3 Millionen Beschäftigte. Im Jahr 2000 waren es noch 14,94 Millionen. Die starke Zunahme liege vor allem am Beschäftigtenzuwachs in den vergangenen Jahren.

Mehr Beschäftigten verlassen auf dem Weg zur Arbeit auch ihren Stadt- oder Landkreis. 2018 waren dies 12,6 Millionen, 2000 erst 9,3 Millionen.

Der Weg zur Arbeit wird immer weiter

Wie das Bundesinstitut weiter ermittelt hat, stieg die durchschnittliche Länge der Arbeitswege von 14,8 Kilometer im Jahr 2000 auf 16,9 Kilometer im Jahr 2018. Die 16-Kilometer-Distanz wurde bereits 2006 überschritten, in den vergangenen Jahren schwächte sich der Trend zu immer weiteren Arbeitswegen ab.

„Der Druck, im Beruf mobil zu sein und weite Wege zum Arbeitsplatz zurückzulegen, hat in den letzten Jahren unvermindert angehalten“, sagte die Linken-Abgeordnete Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur. Der Preis sei zunehmender Stress, insbesondere bei Fernpendlern, bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Besonders lang sind die Wege zu den Arbeitsmarktzentren demnach in den dünn besiedelten Räumen abseits der Ballungsräume, wie die Forscher erläutern. In großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts legen Beschäftigte demnach im Durchschnitt mehr als 30 Kilometer auf dem Weg zur Arbeit zurück.

Pendeln von Ost nach West

Noch immer fahren wesentlich mehr Beschäftigte auch aus Ostdeutschland zum Arbeiten in die westlichen Bundesländer als in umgekehrter Richtung. 2019 pendelten nach den BA-Zahlen rund 415.000 ostdeutsche Beschäftigte in den Westen. Umgekehrt kamen aus Westdeutschland 178.000 Beschäftigte zum Arbeiten in den Osten.

Pendelhochburgen: Großstädte

Vor allem in die Metropolen pendeln regelmäßig Hunderttausende. An der Spitze der Stadt- und Landkreise steht laut Bundesinstitut München: Hier kamen zuletzt rund 390.000 Beschäftigte aus einem anderen Kreis in die Stadt zur Arbeit. Es folgten Frankfurt am Main (374.000), Hamburg (350.000) und Berlin (315.000). Umgekehrt pendeln aus den großen Städten auch zunehmend Beschäftigte zu Arbeitsplätzen im Umland oder in andere Großstädte, wie das Bundesinstitut weiter mitteilte.

Was kann man gegen den Pendelstress unternehmen?

Arbeitgeber müssten Arbeitszeitmodelle finden, die den Beschäftigten Flexibilität einräumen und dem Pendelstress entgegenwirken, forderte Zimmermann. Dass mehr Menschen von Ost nach West pendeln, sei zudem Ausdruck der Niedriglöhne in den neuen Ländern. Der ostdeutsche Arbeitsmarkt werde dadurch noch immer wesentlich entlastet, Probleme würden überdeckt.

Weitere Informationen

statistik.arbeitsagentur.de
Zahlen zu Pendelverflechtungen

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