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Mehrarbeit trotz Corona-Krise: Fast 1,7 Milliarden Überstunden 2020

Im Corona-Jahr 2020 wurden faktisch weniger Überstunden als im Vorjahr geleistet. Ihr Anteil am Arbeitsvolumen blieb aber trotzdem hoch.

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Berlin (dpa). Trotz Pandemie haben die Beschäftigten in Deutschland im vergangenen Jahr 1,67 Milliarden Überstunden geleistet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Zwar ist die Zahl der Überstunden im Vergleich zum Vorjahr gesunken, wie die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen. 2019 hatten sich die Überstunden noch auf 1,86 Milliarden summiert. Doch beim Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen hat sich wenig getan. Es betrug 3,2 Prozent. Das waren nur 0,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte der Überstunden – 892 Millionen – waren unbezahlt.

Während die bezahlten Überstunden im Vergleich zum Vorjahr um 15,4 Prozent abnahmen, waren es bei den unbezahlten Überstunden nur 5,8 Prozent. Den Zahlen zufolge ist der Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen bei Teilzeitbeschäftigten mit 3,6 Prozent höher als bei Vollzeitbeschäftigten mit 3,1 Prozent.

Kritik an Arbeitgebern

Die Linke-Abgeordnete Jessica Tatti, die die Zahlen angefordert hatte, sagte der dpa: „Die Beschäftigten haben schlichtweg mehr Arbeit auf dem Tisch, als sie in der vertraglichen Arbeitszeit schaffen können.“ Jahr für Jahr leisteten Beschäftigte Überstunden zum Nulltarif. „Für die Arbeitgeber rechnet sich das. Sie sparen jährlich zweistellige Milliardenbeträge an Lohnkosten.“

Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sprach von einem anhaltenden Ärgernis. „Die Anzahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden bleibt seit Jahren auf einem inakzeptabel hohen Niveau“, sagte Piel der dpa. „Das ist nichts anderes als Lohndiebstahl – die Arbeitgeber wirtschaften sich damit jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag in die eigene Tasche – und das hart auf dem Rücken der Beschäftigten.“

Doch es gibt auch eine andere Sicht. IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber sagte: „Man hätte annehmen können, dass die Überstunden im Krisenjahr ins Bodenlose fallen.“ Es gebe aber Gründe, warum das nicht geschehen sei. Der IAB-Experte wies darauf hin, dass der Rückgang bei bezahlten Überstunden – etwa von Beschäftigten in der Produktion – deutlich größer gewesen sei als bei unbezahlten. „Unbezahlte Überstunden werden typischerweise von Führungskräften geleistet“, sagte Weber der dpa. „Hier gab es kaum Gründe für weniger Arbeit – oft im Gegenteil“, so der Forscher. „Hier musste viel Krisenmanagement geleistet werden.“

Auch der Beschäftigungsexperte Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wies darauf hin, dass unbezahlte Überstunden vor allem Akademiker, Fachkräfte in Leitungsfunktionen, Führungspersonen ausübten. Häufig beruhe dies auf Vereinbarungen mit den Unternehmen und einem flexiblen Einsatz.

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