Wie sicher sind Einlagen bei ausländischen Banken?
Vorsicht bei längeren Laufzeiten
Auf Plattformen oder Zinsportalen entdecken Sparer indes Angebote von Banken in anderen Ländern, die Zinsen etwa auf Festgeldkonten in Höhe von 1,1 Prozent für zwölf Monate, von 1,3 Prozent für 24 Monate und von 1,4 Prozent für 36 Monate bieten.
Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen. Eine längere Laufzeit als zwei bis drei Jahre sollten Sparer aber nicht wählen, um flexibel zu sein, falls das allgemeine Zinsniveau steigt, rät Scholz-Orfanidis.
Zu den Plattformen, auf denen solche Angebote zu finden sind, gehören etwa Weltsparen, Savedo, Check 24 oder Zinspilot. Auf deren Webseiten sind Angebote ausländischer Banken gelistet, die oft keine Niederlassung in Deutschland haben.
Zu den Anbietern zählen Geldinstitute aus Ländern wie Lettland, Italien, Bulgarien, Rumänien oder Portugal. Wer deren Angebote nutzen will, kann sich auf der jeweiligen Webseite ein Online-Konto einrichten. „Das funktioniert oft einfacher und bequemer als bei herkömmlichen Banken“, erklärt Scholz-Orfanidis.
Einlagensicherung im Euro-Raum
Einlagen sind zwar im gesamten Euro-Raum im Rahmen der nationalen Sicherungssysteme über 100.000 Euro je Kontoinhaber abgesichert“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.
Allerdings bedeute dies nicht, dass die Einlagen überall gleich sicher sind. Die Sicherungssysteme seien nur so sicher wie die Staaten, welche diese zur Not mit Steuermitteln decken können.
Manche Anbieter im Ausland, die mit Top-Zinsen werben, haben keine Niederlassung in Deutschland. Sie unterliegen also nicht den Auflagen zum Steuerabzug wie deutsche Banken, erklärt die Stiftung Warentest. Das heißt: Die Auslandsbanken zahlen die Zinsen ohne Abzüge aus.
Sparer müssen die Erträge daher selber in der Anlage KAP ihrer Steuererklärung angeben.
Deutsche Einlagen bieten höchste Sicherheit
Bei der Bonität der Staaten gebe es im Euroraum allerdings große Unterschiede. „Dies lässt sich auch daran ablesen, zu welchen Zinssätzen sich einzelne Staaten am Markt refinanzieren können“, erklärt Nauhauser. Ob in finanzschwächeren EU-Ländern im Fall einer Bankpleite der Staat über die Mittel verfüge und politisch gewillt sei, alle Anleger zu entschädigen, sei ungewiss. „Die höchste Sicherheit bieten Einlagen mit deutscher Einlagensicherung“, betont der Verbraucherschützer.
Die großen Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poors schreiben der Bundesrepublik Deutschland im Euroraum die höchste Bonität (AAA) zu.
Ebenfalls eine hohe Bonität haben Länder wie
- Schweden
- Norwegen
- Dänemark
- Niederlande
- Schweiz
Wer auf Internetplattformen oder Zinsportalen also nach Angeboten ausländischer Banken Ausschau hält, sollte den Fokus auf Geldinstitute finanzstarker Länder richten. Also Staaten, deren Wirtschaftskraft von den großen Ratingagenturen die Bestnoten AAA oder AA bekommen haben.
100.000 Euro pro Kunde und Bank sind sicher
In Deutschland sind mindestens 100.000 Euro pro Kunde und Bank über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Haben Ehepaare ein Gemeinschaftskonto, verdoppelt sich die Summe auf 200.000 Euro pro Bank.
Wer noch größere Guthaben besitzt und sie vollständig absichern will, kann die Gesamtsumme auf mehrere Banken verteilen. „So kann man die gesetzliche Basissicherung gleich mehrfach nutzen“, sagt Scholz-Orfanidis.
Höherer Kapitalschutz auf freiwilliger Basis
Neben der gesetzlichen Einlagensicherung bieten viele Geldinstitute noch einen Kapitalschutz auf freiwilliger Basis über die Summe von 100.000 Euro hinaus an. Dabei handelt es sich etwa um den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Der Einlagensicherungsfonds schützt die Kunden von privaten Banken.
Daneben gibt es weitere Sicherungseinrichtungen:
- Sicherheitseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
- Sicherungssystem des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV)
- Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB)
- Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW).
