Berufsunfähigkeit: Als Schüler schon versichern lassen?
Berufsgruppe Schüler: Günstiger als viele Ausbildungsberufe
Wer sein Kind noch vor Ablauf des Schuljahres versichert, der versichert es in der Berufsgruppe der Schüler. Mit Beginn einer Berufsausbildung dagegen legen die Versicherer den Lehrberuf zugrunde – mit gravierenden Beitragsunterschieden.
Beispiel: Für einen Schüler der 10. Klasse der Gemeinschaftsschule wird bei einem guten BU-Versicherer ein Monatsbeitrag von 58,65 Euro fällig, wenn die Versicherung vor Beginn der Ausbildung zum Anlagenbauer beginnt. Nach Ausbildungsbeginn sind es 84,94 Euro, also knapp 26 Euro mehr. Das summiert sich auf über 300 Euro im Jahr und rund 16.000 Euro über die gesamte Vertragslaufzeit – bei identischem Schutz. Die zu Schulzeiten vereinbarte Rente kann bei den Top-Anbietern am Markt nach Abschluss der Ausbildung ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden.
Auch angehende Studierende können oft Geld sparen, wenn Sie sich noch als Schüler versichern lassen. So zahlt ein 20-jähriger Gymnasiast in der Oberstufe rund 41 Euro im Monat, wenn er 1000 Euro Rente versichert. Ein Lehramtskandidat hingegen ist mit einem deutlich höheren Beitrag von rund 86 Euro im Studium dabei. Insgesamt summieren sich die Unterschiede hier auf rund 25.000 Euro bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren – da lohnt es sich auf alle Fälle, rechtzeitig eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.
Vorsorgeexperten sind sich einig: Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Versicherungen. Aber auch die gesetzliche Rentenversicherung bietet Auszubildenden vom ersten Arbeitstag an einen Schutz.
Sind beispielsweise Berufsstarter aufgrund eines Arbeitsunfalls nicht mehr in der Lage, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten, können sie eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten. Der besondere Schutz gilt auch bei Unfällen auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeit.
Berufsunfähig oder erwerbsgemindert – was ist der Unterschied, wer zahlt wann?
Nach einem Jahr gilt der Schutz auch, wenn Auszubildende wegen eines Freizeitunfalls oder einer Krankheit nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten: Sie können dann eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten, wenn die Erwerbsminderung innerhalb von sechs Jahren nach dem Ende ihrer Schulzeit eintritt und sie innerhalb der zurückliegenden zwei Jahre mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge gezahlt haben.
Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung über Berufsstarter und ihre Sozialversicherung
Beiträge genau vergleichen lassen
Allerdings ist die Einstufung als Schüler in der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht immer günstiger als im Ausbildungsberuf. Vor allem Auszubildende in kaufmännischen Berufen können sparen, wenn sie ein paar Wochen mit dem Abschluss warten. Als angehender Bürokaufmann zum Beispiel sinken die Beiträge von 58 Euro als Schüler dann auf 40,51 Euro im Monat mit dem Start ins Berufsleben. Hier spart das Warten auf den Ausbildungsbeginn jeden Monat fast 20 Euro – bei geplanten 50 Jahre Laufzeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind das fast 10.000 Euro weniger.
Warum sich Warten nicht lohnt
Natürlich trifft Berufsunfähigkeit selten junge Menschen während ihres Studiums oder ihrer Berufsausbildung. Dennoch macht ein späterer Abschluss aus verschiedenen Gründen keinen Sinn:
1. Sie sparen kein Geld
Beispiel: Julia ist 20 Jahre alt und will Jura studieren. Gleich zu Beginn ihres Studiums schließt sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Rente von 1000 Euro ab. Sie zahlt dafür rund 30 Euro im Monat.
Ihr Kommilitone Tim, ebenfalls 20 Jahre, verzichtet auf die Absicherung. Erst zehn Jahre später, als ausgebildeter Volljurist, entscheidet auch er sich für eine Versicherung mit 1000 Euro Rente. Bis zu seinem Rentenbeginn mit 67 Jahren muss er dafür rund 38 Euro monatlich zahlen.
Insgesamt zahlt Tim während seines gesamten Erwerbslebens knapp 17.000 Euro Beiträge. Julia zahlt zwar zehn Jahre länger, dafür aber dauerhaft nur 30 Euro pro Monat. Insgesamt zahlt auch sie etwa 17.000 Euro für die gleiche Rentenhöhe. Der Unterschied: Juli war zehn Jahre länger versichert.
2. Sie zahlen vielleicht sogar drauf
Wer nicht ganz gesund ist, muss unter Umständen höhere Beiträge zahlen. Tim hat als 30-Jähriger ein höheres Risiko, an einer Vorerkrankung zu leiden, als die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zehn Jahre jüngere Julia. Tim muss womöglich zwanzig Prozent Zuschlag zahlen, also rund 8 Euro mehr im Monat. Damit verteuert sich sein Schutz insgesamt um mehr als 3000 Euro.
3. Sie bekommen gar keinen Schutz mehr
Tims mögliche Vorerkrankung kann so gravierend sein, dass es schwierig wird, eine günstige Versicherung zu finden – oder überhaupt eine Versicherung. Im schlimmsten Fall kann er seine Arbeitskraft also gar nicht mehr absichern.
Auf einen ausreichenden Schutz achten
Bei aller Diskussion um den richtigen Zeitpunkt kommt manchmal die Qualität der Absicherung zu kurz. Denn egal, wann und zu welchen Konditionen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wird: Sie muss zum Versicherten passen. Dabei sind die folgenden Punkte wichtig:
- Nachversicherungsgarantie: Die versicherte Rente – bei jungen Menschen meist 1000 Euro – sollte im Laufe des Erwerbslebens anpassbar sein. Manche Versicherer erlauben eine Anpassung bis zu 4000 Euro.
- Dynamik: Mit einer Beitragsdynamik steigen Beitrag und Leistung jedes Jahr automatisch an. Das ist sinnvoll, um den Inflationsverlust auszugleichen oder zumindest abzumildern.
- Überprüfung der Berufsgruppe: Wer mit einem mittleren Schulabschluss Karriere macht, kommt oft in eine bessere Berufsgruppe. Der Vertrag sollte das Recht auf eine Besserstellung mit einem günstigeren Beitrag vorsehen.
- Gesundheitsgeschichte sauber aufbereiten: Wer falsche Angaben bei den Gesundheitsfragen macht, dem droht im Leistungsfall Stress bis hin zur Auflösung des Vertrages. Unbedingt mit einem BU-Experten die eigene Krankengeschichte rechtssicher aufbereiten!
