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Prämiensprung bei BU-Versicherungen: Lohnt noch der Abschluss?

Berufsunfähigkeitsversicherungen werden bald teurer. Warum das so ist und wie Verbraucher jetzt reagieren sollten.

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Mann mit Armschiene und Frau lesen zusammen Brief. Bild: IMAGO / ingimage / HighwayStarz

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Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung eine wichtige Police?


Bianca Boss: Diese Versicherung gehört zu den wichtigen Policen. Schließlich geht es bei der BU darum, dauerhafte Arbeitskraftverluste abzusichern. Dauerhafter Arbeitskraftverlust bedeutet – vereinfacht gesagt –, dass man kein Geld mehr verdienen kann, weil man zu krank zum Arbeiten ist. Gegen dieses finanzielle Risiko schützt die Versicherung.
Berufsunfähig, erwerbsunfähig, erwerbsgemindert – wo ist der Unterschied?
Berufsunfähig sind Sie, wenn Sie wegen Gesundheitsproblemen nicht mehr in Ihrem bisherigen Beruf, aber noch in einem anderen Beruf arbeiten können. Gegen Berufsunfähigkeit können Sie sich privat versichern.

Anders verhält es sich mit der Erwerbsunfähigkeit. Hier kann der Staat helfen. Man spricht dann allerdings von Erwerbsminderung.

Erwerbsgemindert sind Sie, wenn Sie auf nicht absehbare Zeit gar nicht oder nur noch einige Stunden am Tag arbeiten können – und zwar irgendeine Arbeit. Die Einschränkung bezieht sich also ausschließlich auf das tägliche Arbeitspensum. Der Beruf spielt keine Rolle.

Sind Sie erwerbsgemindert, haben Sie unter Umständen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung. Je nachdem, wie viele Stunden Sie täglich arbeiten können, erhalten Sie auf Antrag entweder eine Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung längstens bis zum Beginn der Altersrente.

Wo liegen die Unterschiede?


Boss: Die Erwerbsunfähigkeitspolice leistet, wenn Versicherte dauerhaft keine Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes ausüben können. Üblicherweise ist das der Fall, wenn man in einem Umfang von mehr als drei Stunden täglich nicht mehr arbeiten kann.

Die BU leistet bereits dann, wenn der zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nur noch teilweise ausgeübt werden kann – üblicherweise zu nicht mehr als 50 Prozent. Ob Versicherte noch in der Lage sind, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig zu sein, ist – anders als bei der EU – unerheblich.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist also leistungsstärker, für viele Berufe kostet sie aber auch mehr.

Wie teuer ist eine BU im Durchschnitt?


Boss: Durchschnittswerte sind für BU-Verträge eigentlich nichtssagend. Es hängt von einer Vielzahl von einzelnen Faktoren ab, wie viel man für seinen Vertrag bezahlt. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel der Beruf, den Sie bei Antragsstellung ausüben. Dabei gilt: Je risikoreicher ein Beruf, desto höher der Beitrag. Oder anders gesagt: In einem handwerklichen Beruf müssen Sie meist mehr für die BU bezahlen, als in einem Bürojob.

Welche Faktoren beeinflussen den Beitrag noch?


Boss: Neben dem ausgeübten Beruf spielen auch die versicherten Leistungen eine Rolle. Auch der Status der versicherten Person hat einen Einfluss. Es kann also einen Unterschied machen, ob Versicherte verbeamtet, sozialversicherungspflichtig beschäftigt, selbstständig, freiberuflich tätig oder als Schüler oder Student noch ohne Beruf sind.

Aber auch das Freizeitverhalten kann die Höhe der Prämie beeinflussen. Wer riskante Sportarten ausübt, muss unter Umständen mehr zahlen, ebenso in der Regel alle, die Vorerkrankungen haben.

Warum führt der sinkende Höchstrechnungszins bei Lebensversicherungen jetzt bei der BU zu höheren Beiträgen?


Boss: BU- und EU-Verträge gehören aufsichtsrechtlich zur Sparte Lebensversicherung. Der Rechnungszins ist vor allem für die Kalkulation der Tarife relevant.

Beispiel BU: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Damit die Prämie aber nicht jährlich ansteigt, sondern über die vereinbarte Vertragsdauer konstant bleibt, hat die Prämie neben dem Risiko- und Kostenanteil noch einen Sparanteil. Das heißt es werden aus diesem Sparanteil Rückstellungen gebildet, um die Prämie zu glätten, so dass sie eben über die vereinbarte Vertragsdauer konstant bleibt.

Wenn der Höchstrechnungszins abgesenkt wird, können ab dem 1. Januar 2022 die Rückstellungen nur noch mit dem höchstens bei 0,25 Prozent anzusetzenden Rechnungszins verzinst werden. Entsprechend muss dann die Prämie gegenüber den aktuellen Tarifen, die mit bis zu 0,9 Prozent kalkuliert sind, steigen. Wie stark die Erhöhung ist, hängt von vielen Faktoren ab. Wir rechnen bei BU-Verträgen mit einer Prämiensteigerung um fünf bis zehn Prozent.

Sollte ich aus diesem Grund jetzt in diesem Jahr noch schnell eine Versicherung abschließen?


Boss: Vor allem bei solchen Personenversicherungen wie EU oder BU gilt: Sorgfalt vor Geschwindigkeit! Bei diesen Verträgen kommt es nicht vorrangig auf die Prämienhöhe an, sondern auf eine saubere und einwandfreie Antragsstellung und bedarfsgerechte Leistungen.

Vor allem die umfängliche Aufarbeitung der Gesundheitshistorie ist naturgemäß sehr zeitaufwendig. Sie ist aber für einen Vertrag Voraussetzung. Von einem Abschluss noch schnell in diesem Jahr raten wir daher dringend ab, wenn darunter die Sorgfalt bei der Antragstellung leidet. Denn das kann im schlimmsten Fall den Versicherungsschutz kosten.

Welche Punkte sind bei einem Vertrag wirklich wichtig?


Boss: Am wichtigsten ist es, einen individuell passenden Vertrag abzuschließen. Ein Abschluss auf eigene Faust im Internet empfehlen wir deshalb nicht. Ratsam ist es, über einen spezialisierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler eine Risikovoranfrage zu stellen, um so zu ermitteln, welche geeigneten und bedarfsgerechten Verträge es gibt, und welche Verträge für den Antragsteller möglich sind.
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