München (tö). Girokonten sind in Deutschland erneut teurer geworden. Das zeigen neue Auswertungen der Internet-Finanzportale biallo.de und Verivox. Biallo.de untersucht regelmäßig die Preis- und Leistungsverzeichnisse und Webseiten von mehr als 1200 Banken und Sparkassen. Demnach gab es Anfang Mai bundesweit nur noch 23 kostenlose Girokonten, die vier Bedingungen erfüllen: keine monatliche Grundgebühr, kein bestimmter Geldeingang in Euro, damit die monatliche Grundgebühr entfällt, keine Kosten für die Girocard (früher EC-Karte) und für Überweisungen. Vor mehr als drei Jahren boten noch knapp 40 Geldinstitute kostenlose Konten ohne Wenn und Aber an. Dem Verbraucherportals zufolge gibt es aber weitere 32 Institute, die kein monatliches Entgelt verlangen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind und zum Beispiel ein bestimmter Geldbetrag regelmäßig auf dem Konto landet.
Dass die Banken und Sparkassen ihre Preise fürs Girokonto erhöht haben, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox. Dabei gaben etwa vier von fünf Kundinnen und Kunden (82 Prozent) an, Gebühren zu zahlen. Das aber muss nicht bedeuten, dass das übrige Fünftel nichts zahlt, weil viele Kontoinhaber die nicht selten versteckte Gebühren für den Zahlungsverkehr gar nicht bemerken. Bei der Hälfte der kostenpflichtigen Konten ist das Girokonto der Umfrage zufolge in den vergangenen zwei Jahren teurer geworden. Befragt wurden 1025 Kontoinhaber.
Girokonto ist für viele Kreditinstitute doppelter Umsatzbringer
„Infolge der Zinswende ist das Girokonto für viele Banken und Sparkassen zum doppelten Umsatzbringer geworden“, sagte Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. „Zum einen bescheren die Kontoguthaben den Geldhäusern inzwischen wieder attraktive Zinsüberschüsse, und Überziehungen werden mit höheren Dispozinsen bepreist. Zum anderen drehen viele Kreditinstitute weiter an der Gebührenschraube und generieren dadurch zusätzliche Einnahmen.“ Besonders in dünn besiedelten Gebieten verursache ein flächendeckendes Filialnetz hohe Kosten, diese würden Sparkassen und Genossenschaftsbanken über höhere Kontogebühren an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben.
Die Stiftung Warentest hat ebenfalls wiederholt große Preisunterschiede bei Girokonten festgestellt. Demnach müssen Bankkunden im Durchschnitt 117 Euro pro Jahr für ein Girokonto zahlen. Teilweise sind aber auch mehr als 300 Euro fällig. Je nach Kontomodell ließen sich deshalb „schnell 100 Euro und mehr pro Jahr sparen“. Die Stiftung vergleicht regelmäßig die Konditionen von 180 Geldinstituten und 470 Kontomodellen. Die Warentester halten Kosten von 60 Euro im Jahr für „akzeptabel. Ist Ihr Konto viel teurer oder ärgern Sie sich schon länger über Ihre Bank, dann sollten Sie einen Wechsel prüfen“, empfiehlt die Stiftung auf ihrer Homepage.
Ein Wechsel ist heute leichter als früher, weil die alte Bank gesetzlich verpflichtet ist, beim Umzug zur neuen Bank zu helfen. Den Dauerauftrag für die Miete zum Beispiel muss man dann nicht selbst ändern. Viele Banken bieten neben der vorgeschriebenen Kontowechselhilfe auch einen freiwilligen Service, um Kundinnen und Kunden zu unterstützen.
