München (tö). Wer ein Haus oder eine Wohnung mit einem Hypothekenkredit kauft, kann sich derzeit wieder über niedrigere Bauzinsen freuen. Die monatlichen Kosten für die Rückzahlung eines entsprechenden Darlehens sind laut einer Analyse des Immobilienportals Immowelt seit Oktober 2022 spürbar zurückgegangen, je nach Stadt um mehrere hundert Euro. Grundlage für die Berechnung waren die Quadratmeterpreise von Bestandswohnungen (75 Quadratmeter, 3 Zimmer, 1. Stock, Baujahr 1990er-Jahre). Dabei wurden ein marktüblicher Zinssatz für Oktober 2022 von 4,0 Prozent und für März 2024 von 3,6 Prozent angenommen, nachdem die durchschnittlichen Bauzinsen erstmals nach zwei Jahre wieder spürbar gesunken waren.
Am deutlichsten fällt demnach die Ersparnis in Deutschlands teuerster Großstadt aus, in München: Bei einem mittleren Angebotspreis von aktuell 602.625 Euro für eine 75-Quadratmeter-Wohnung liegt die Hypothekenrate dort bei monatlich 2.092 Euro. Im Oktober 2022 belief sich der Durchschnittspreis noch auf 668.853 Euro. Daraus ergab sich eine monatliche Rate von 2.438 Euro. Käufer in München zahlen aktuell also dank niedrigerer Preise und Zinsen 346 Euro pro Monat weniger als noch vor eineinhalb Jahren.
In anderen Städten hat sich die finanzielle Belastung für Bau- und Kaufwillige ebenfalls verringert: So zahlten in Frankfurt im Herbst 2022 Käufer noch 1.662 Euro für das Muster-Baudarlehen, aktuell sind es 1.405 Euro, also monatlich 257 Euro weniger. In den preiswerteren Städten sind die Unterschiede deutlich geringer. In Leipzig, wo eine Bestandswohnung mit 75 Quadratmetern aktuell 183.900 Euro kostet, zahlen Käufer 42 Euro weniger für die Finanzierung. Auch in Dortmund (72 Euro) und Duisburg (79 Euro) fällt die Differenz vergleichsweise gering aus. Für die Beispielrechnungen wurden 30 Prozent Eigenkapital (inklusive Kaufnebenkosten) angenommen und die Tilgung auf einen Zeitraum von 30 Jahren mit einer Zinsbindung von zehn Jahren berechnet.
Durch die gesunkenen Preise und die zurückgegangenen Bauzinsen sei der Immobilienkauf “für viele Menschen wieder realistisch geworden”, sagt Felix Kusch, Geschäftsführer von Immowelt. Interessenten würden derzeit vom großen Angebot an Immobilien profitieren. “Aufgrund der noch verhaltenen Nachfrage besteht zudem nach wie vor Verhandlungsspielraum bei den Preisen”, sagt Kusch.
Auch die Stiftung Warentest sieht derzeit “eine Chance für Kaufwillige”. Die Tester untersuchen die Angebote von 81 Banken. Das Ergebnis: Für den Kauf einer 400.000 teuren Wohnung müssen Kreditnehmer für ein und dasselbe Darlehen bei einer günstigen Bank monatlich rund 200 bis 330 Euro weniger zahlen als bei einem teuren Anbieter. Laut der Stiftung macht dies am Ende der Zinsbindung “einen Unterschied von mehr als 83 000 Euro” aus.
