Berlin (diw/sth). Mit der stark gestiegenen Inflation sind die Bruttostundenlöhne im Jahr 2022 im Schnitt zwar gefallen - die unterste Lohngruppe holte aber aufgrund der starken Anhebung des Mindestlohns in dem Jahr gegenüber allen anderen Einkommensgruppen auf. Der Niedriglohnsektor schrumpfte dadurch, insbesondere in den ostdeutschen Ländern. Auch deutet sich eine Trendumkehr bei der seit Jahren steigenden Armutsrisikoquote an. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Einkommenserhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), für die jährlich rund 30.000 Personen in Deutschland befragt werden.
„Insbesondere in Ostdeutschland sehen wir eine erfreuliche Entwicklung. Sowohl der Niedriglohnsektor als auch die Armutsrisikoquote, die sich nach den Haushaltsnettoeinkommen bemisst, sinken dort deutlich, liegen aber weiterhin über den Werten in Westdeutschland“, resümiert Studienautor Markus M. Grabka. Deutschlandweit schrumpfte der Niedriglohnsektor seit seinem Höchststand 2007 von 23,4 Prozent auf nunmehr 18,5 Prozent der abhängig Beschäftigten, in Ostdeutschland sank er sogar um 14 Prozentpunkte – von 38 auf zuletzt 24 Prozent.
Armutsrisikoquote bei Jugendlichen und Alleinerziehenden sinkt beträchtlich
Mit Blick auf die Nettoeinkommen der Haushalte, die 2022 abgefragt wurden, deute sich ein “Trendbruch bei den Niedrigeinkommen” an, heißt es in der Studie. Nach einer langen Phase des Anstiegs “sinkt erstmals die Armutsrisikoquote” der Menschen, die von Sozialforschern als Geringverdienern bezeichnet werden. “Insbesondere in Ostdeutschland und unter ostdeutschen Kindern und Jugendlichen zeigt sich ein starker Rückgang bei der Armutsgefährdung”, erklären die DIW-Forscher.
Auch die Quote der Alleinerziehendenhaushalte, die von Armut bedroht sind, sei von 37 Prozent im Jahr 2018 auf 31 Prozent im Jahr 2022 gefallen, in den ostdeutschen Ländern im gleichen Zeitraum sogar von 43 auf 32 Prozent. „Die in den letzten Jahren eingeleiteten Maßnahmen für Alleinerziehende wie Änderungen rund um den Unterhaltsvorschuss oder der erhöhte steuerliche Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende haben sichtbar gewirkt“, konstatiert Studienautor Grabka und ergänzt: „Die sinkenden Werte bei der Armutsrisikoquote sind ein erfreulicher Befund, der sich aber verstetigen muss, um von einer Trendumkehr zu sprechen.“
