München (tö). Die Zinsen für Konsumentenkredite sind auf dem niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren gesunken, das geht aus einer Erhebung des Vergleichsportals Verivox hervor. Nicht alle Bankkunden und Kundinnen mit Kreditbedarf können aber davon profitieren, wie eine neue Untersuchung des Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) zeigt. Demnach verweigern Banken Verbrauchern oft ungerechtfertigt Kredite.
Die gute Nachricht: Nach der Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte September 2024 schlossen der Analyse von Verivox zufolge die Nutzer des Vergleichsportals Ratenkredite im Mittel zu einem Zinssatz von 6,67 Prozent ab, das ist der tiefste Stand seit April 2023. In der ersten Septemberhälfte betrug der Median-Wert noch 6,82 Prozent. Ausgewertet wurde dabei der Median-Zins, das heißt, die Hälfte aller Kundinnen und Kunden erhielt ihren Kredit zu diesem Zinssatz oder günstiger, die andere Hälfte zahlt höhere Zinsen.
Letzteres dürfte in vielen Fällen auch dann der Fall sein, wenn Kunden nicht die Konditionen vergleichen oder keine gute Bonität vorweisen können. So zahlen gemäß der Bundesbank-Statistik Ratenkreditnehmer derzeit im Durchschnitt mehr als acht Prozent Zinsen. Und die von den Geldinstituten angebotenen Zinsen für Ratenkredite liegen laut dem Index des Vergleichsportals biallo.de immer noch bei um die 9,5 Prozent (Stand: 23.10.24). „Im langfristigen Vergleich befinden wir uns noch immer in einer Hochzins-Phase“, sagte Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier.
Kein Kredit trotz generellen Anspruchs
Die schlechte Nachricht: Nicht selten kommt es vor, dass Kunden keinen Kredit erhalten, obwohl dieser ihnen eigentlich zustünde. Laut der IFF-Analyse hängt dies unter anderem damit zusammen, dass Geldinstitute und Onlinehändler mit Wirtschaftsauskunftsdateien wie der Schufa zusammenarbeiten, die den Banken Daten über die Kreditwürdigkeit (Bonität) ihrer Kunden liefern. Das IFF kritisiert aber: „Fehlerhafte Einträge oder mangelnde Differenzierung bei der Bewertung dieser Merkmale können ungerechtfertigt zum Ausschluss vom Kreditmarkt führen." Typische Ursachen für ungerechtfertigte Kreditablehnungen seien „fehlende Kredithistorie, zum Beispiel bei jungen und eingewanderten Menschen sowie fehlerhafte Informationen, zum Beispiel, wenn eine bereits beglichene Rechnung als Zahlungsausfall eingetragen wird“.
Die Ablehnung eines Kreditantrags könne außerdem mit Ausnahmesituationen zusammenhängen, „die zu Zahlungsausfällen geführt haben, aber keine Aussagekraft bezüglich eines zukünftigen Zahlungsverhaltens haben, wie ein Zahlungsausfall aufgrund eines längeren Krankenhausaufenthalts“. Davon betroffen seien vor allem junge und ältere Menschen, „die wirtschaftlich (noch) inaktiv sind, oder auch Eingewanderte, deren wirtschaftliche Aktivität in Deutschland noch am Anfang steht“.
Kredit für Autokauf bei vielen Banken besonders günstig
Verivox hat für potentielle Kreditnehmer zwei Tipps, um einen Ratenkredit zu niedrigeren Zinsen zu bekommen. So sind für Darlehensnehmer, die ihren Kredit zu zweit aufnehmen, die Zinskosten im Durchschnitt um sieben Prozent geringer. Eine weitere Sparmöglichkeit: „Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Ratenkredite aufgenommen werden, um damit ein Fahrzeug zu finanzieren. Aber viele geben diesen Verwendungszweck bei ihrer Kreditanfrage nicht an“, sagte Verivox-Chef Maier. „Das ist ein Fehler, denn einen zweckgebundenen Autokredit gibt es bei vielen Banken zu besonders günstigen Konditionen.“
So sind die Zinslasten bei Autokrediten, die über das Vergleichsportal abgeschlossen werden, im Mittel rund 16 Prozent niedriger als bei Ratenkrediten zur freien Verwendung. Verbraucherschützer raten allerdings, bei der Aufnahme von Ratenkrediten vorsichtig zu sein und solche relativ teuren Kredite möglichst zu vermeiden, um in keine Schuldenfalle zu geraten.
