Ihre-Vorsorge Logo

Scheidung: Immobilienübertragung kann steuerpflichtig sein

Ein Urteil des Finanzgerichts Münster bringt frischen Wind in Scheidungsdeals: Wann Immobilienverkäufe unerwartet steuerpflichtig werden können.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Hausmodell steht auf einem Kaufvertrag und Bauplänen, rechts ein Münzstapel, links ein Taschenrechner.

© Nicht definiert

Berlin/Münster (dpa/tmn). Wer sich scheiden lässt und in diesem Zusammenhang Immobilien auf den Ehegatten überträgt, sollte die Einkommensteuer nicht aus dem Blick verlieren.

Denn dient die Übertragung von Immobilien der Erfüllung des Zugewinnausgleichs, kann ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegen – das dann steuerpflichtig ist. Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichts Münster (Az. 8 K 901/23 E) hervor, auf das der Bund der Steuerzahler hinweist.

Ehe hatte Status als Zugewinngemeinschaft

In dem Fall lebten die Ehegatten im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das gesamte, während der Ehe erwirtschaftete Vermögen gehört darum beiden zu gleichen Teilen und muss im Rahmen der Scheidung ausgeglichen werden.

Während der Ehe hatte das Paar unter anderem ein Mehrfamilienhaus und zwei Eigentumswohnungen erworben. Im Rahmen des Scheidungsverfahrens vereinbarten sie, dass der Ehemann seine Miteigentumsanteile an den Immobilien auf seine Frau überträgt. Im Gegenzug verzichteten beide auf weitere Ansprüche, unter anderem auf Zugewinnausgleich sowie Unterhalt.

Ausgleich auf Umwegen geschaffen

Das Finanzamt wertete die Übertragung in diesem Fall als Veräußerung. Das Finanzgericht bestätigte diese Auffassung. Entscheidend war für die Richter, dass der gesetzliche Zugewinnausgleich grundsätzlich auf eine Geldforderung gerichtet ist. Wird dieser Anspruch durch die Übertragung einer Immobilie erfüllt, erhält der übertragende Ehegatte als Gegenleistung die Befreiung von seinen Verpflichtungen. Damit liegt steuerlich ein entgeltlicher Vorgang vor.

„Das kann teuer werden, wenn die Immobilie noch keine zehn Jahre gehalten wurde“, sagt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. „Denn dann kann der Wertzuwachs grundsätzlich als Gewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig sein.“ Für die Berechnung werden vom Veräußerungspreis unter anderem die Anschaffungs- oder Herstellungskosten und bestimmte Werbungskosten abgezogen. Bereits berücksichtigte Abschreibungen können die Anschaffungskosten mindern.

Bundesfinanzhof muss nun noch einmal entscheiden

Interessant ist allerdings eine vom Finanzgericht aufgezeigte Ausnahme: Wird bereits vor Beendigung des Güterstands durch einen Ehevertrag vereinbart, dass der Zugewinnausgleich unmittelbar in Form eines bestimmten Vermögensgegenstands erfolgen soll, kann dessen spätere Übertragung unentgeltlich sein und damit kein Veräußerungsgeschäft darstellen. Eine Scheidungsfolgenvereinbarung, die erst im Hinblick auf die unmittelbar bevorstehende Scheidung geschlossen wird, reicht dafür nach Auffassung des Gerichts dagegen nicht aus.

Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Gegen das Urteil ist inzwischen Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) anhängig (Az.: IX R 10/26). Der BFH muss nun klären, ob die Übertragung der Miteigentumsanteile im Rahmen der Scheidungsfolgenvereinbarung tatsächlich zu Einkünften aus einem privaten Veräußerungsgeschäft führt.

Wer bei einer Scheidung eine Immobilie übertragen möchte, sollte deshalb insbesondere bei einer Haltedauer von weniger als zehn Jahren die steuerlichen Folgen vor Abschluss einer Vereinbarung prüfen lassen.


Weitere Artikel

Time
4 Minuten

Lassen sich Ehepaare scheiden, ist nicht zuletzt zu klären, wie es mit Haus und Immobilienkredit weitergeht. Welche Optionen es gibt und was dabei zu beachten ist.

Time
3 Minuten

Um immer höhere Milliarden-Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zu bremsen, greift zum neuen Jahr ein Spargesetz. Können erneute Beitragsanhebungen auf breiter Front damit vermieden werden?

Time
2 Minuten

Wer noch 2026 Handwerker beauftragt und bezahlt, kann unter Umständen von einem größeren Steuervorteil profitieren als ab 2027. Woran das liegt und wie Steuerzahler jetzt vorgehen können.

Time
2 Minuten

Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.

Time
2 Minuten

Gestiegene Preise zwingen viele Menschen in Deutschland, ihre Ersparnisse für den Alltag anzutasten. Doch viele haben gar keine finanziellen Puffer. Einige Haushalte trifft es besonders hart.

Time
5 Minuten

Im September verständigten sich die Spitzen der Koalition neben dem Tankrabatt auch auf einen Spritpreisdeckel. Nun fordert die SPD Tempo von Wirtschaftsministerin Reiche.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026