München (tö). Zahlreiche Banken gehen derzeit mit neuen Angeboten für Tagesgeldkonten auf die Jagd nach neuen Kunden. Geldexperten empfehlen Sparerinnen und Sparern aber nicht nur auf „Aktionszinsen“ oder „Top-Zinsen“ für Neukunden zu achten. Sonst kann eine solche Anlage langfristig zum schlechten Geschäft werden.
„Hochprozentige“ Angebote sorgfältig prüfen
Millionen Anleger parken ihre finanzielle Notreserve für unvorhergesehene Ausgaben auf Tagesgeldkonten, die meist online geführt werden. Vorteil: Das Geld ist täglich verfügbar und wird auch noch verzinst. Nach den Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben etliche Banken ihre variablen Zinsen für Tagesgeld kräftig erhöht. Im Durchschnitt gibt es derzeit für Tagesgeld nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de 0,85 Prozent Zinsen (Stand: 2.1.2023). Vor einem Jahr waren durchschnittlich nur gerade einmal 0,05 Prozent drin.
Mehrere Banken bieten nun aber Neukunden zum Beispiel 1,5, 2,0 Prozent oder sogar 2,1 Prozent Zinsen pro Jahr an. Schaut man sich die Angebote näher an, sind diese jedoch nicht ohne Haken:
- Die überdurchschnittlich hohen Zinsen werden nur für drei, vier oder maximal sechs Monate garantiert, und das ausschließlich nur für Neukunden. Danach sinkt der Zinssatz deutlich unter den Durchschnitt, auf zum Beispiel 0,3 oder 0,5 Prozent.
- Für die Angebote kann es Obergrenzen geben. Wer zum Beispiel bei einer Bank mehr als 50.?000 Euro parkt, bekommt nur bis zu dieser Grenze den hohen Zinssatz. Für Beträge über diese Summe wird der viel niedrigere Zinssatz bezahlt.
- Ausländische Banken mit Top-Angeboten für Neukunden akzeptieren oft keine Freistellungsaufträge. Stattdessen führt die Bank die Abgeltungsteuer, die dann von den Zinsen abgezogen wird, direkt an das Finanzamt ab. Die Kunden müssen sich deshalb die abgezogene Steuer mühsam über ihre Steuererklärung wieder zurückholen, sofern sie ihren Sparerfreibetrag nicht mit anderen Kapitaleinkünften ausgeschöpft haben.
Zinshopping oder dauerhaft gute Konditionen?
Sparerinnen und Sparer, die Tagesgeld clever nutzen wollen, haben deshalb zwei Möglichkeiten: Sie betreiben Zinshopping, nutzen also die Aktionszinsen, solange sie gelten und wechseln dann wieder zu einer anderen Bank mit Top-Zinsen – ein recht aufwändiges Verfahren. Oder sie halten sich an den Ratschlag der Verbraucherzentralen, diese empfehlen: „Wer nicht andauernd seine Bank wechseln will, kann sich etwa auf solche Banken beschränken, die in der Vergangenheit dauerhaft gute Konditionen geboten haben.“
Das empfehlen auch die Experten des Verbraucherportals biallo.de: „Die besten Tagesgeldkonten zeichnen sich durch eine stabile Zinsgestaltung aus.“ Gerade deswegen lohne es sich, immer wieder Anbieter und Angebote zu vergleichen.
