Berlin (dpa). Corona-Impfungen sind mit dem Präparat von Astrazeneca künftig für alle möglich, wenn sich Impfwillige mit ihrem Arzt dafür entscheiden. Die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste wird für diesen Impfstoff voll aufgehoben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag in Berlin nach einem entsprechenden Beschluss mit seinen Länderkollegen mitteilte.
Entscheidung liegt beim Arzt
„Das heißt, dass beim Impfen in den Arztpraxen die Ärzte entscheiden, wer jetzt wann mit dem Impfen dran ist“, sagte der CDU-Politiker. Gemeinsam mit den Patienten sollen sie auch festlegen können, wie bald die nötige zweite Impfung folgt.
Der Bund beruft sich dabei auf einen Passus der Impfverordnung. Demnach kann von der Reihenfolge etwa nach Alter, Vorerkrankungen und Berufsgruppen abgewichen werden, wenn es für eine effiziente Organisation oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist.
Der Vorsitzende der Länderminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, in mehreren Ländern sei es schon so, dass Astrazeneca in Praxen flexibel nach ärztlichem Ermessen geimpft werden kann. Es sei der konsequente nächste Schritt, dies nun auf Bundesebene anzugleichen. „Auch das wird das Impftempo erhöhen.“
Impfkomission hält an Priorisierung fest
Die Impfkommission hatte dafür plädiert, zunächst weiter an der Bevorzugung besonders gefährdeter Gruppen festzuhalten. Es gebe bei anhaltend hoher Impfbereitschaft einen „noch beträchtlichen Anteil an impfbereiten Personen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf, die noch keine Möglichkeit zur Impfung hatten“. Das betreffe viele 70- bis 79-Jährige und noch mehr 60- bis 69-Jährige – insgesamt Millionen Menschen. Auch bei jüngeren Vorerkrankten sei nur etwa ein Viertel einmal geimpft.
Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens, diese Erklärung beziehe sich auf die aktuelle Stiko-Empfehlung – „also auch auf Astrazeneca“. Voraussichtlich im Juni soll die Priorisierung laut Spahn in Deutschland generell aufgegeben werden.
Mehr Spielraum bei der Zweitimpfung
Künftig soll es dem Arzt in Absprache mit dem Impfling laut Bund-Länder-Beschluss auch freigestellt werden, den Abstand für eine Astrazeneca-Zweitimpfung zwischen vier und zwölf Wochen festzulegen. „Die Zweitimpfung haben jetzt viele lieber früher, auch mit Blick auf den Sommer – das geht mit Astrazeneca auch innerhalb der Zulassung“, hatte Spahn bereits im WDR gesagt.
Astrazeneca-Geimpfte müssten dann weniger lang warten bis zum Wegfall von Corona-Einschränkungen. Erleichterungen für Geimpfte passierten nun den Bundestag und sollen an diesem Freitag im Bundesrat besiegelt werden. Allerdings hätten Astrazeneca-Geimpfte im Fall einer früheren zweiten Spritze den Nachteil einer womöglich geringeren Wirksamkeit.
Die Impfkommission empfiehlt für das Präparat nämlich einen Abstand von 12 Wochen zwischen erster und zweiter Dosis. Hintergrund sind Beobachtungen, dass der längere Abstand zu einer besseren Wirksamkeit führt. Die Wirksamkeit einer zweimaligen Impfung im Abstand von vier bis acht Wochen liege laut einem Bericht der europäischen Zulassungsbehörde EMA bei 50,4 Prozent. Bei zwölf und mehr Wochen steige sie auf 72,1 Prozent bis 82,4 Prozent an.
