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Depressionen im Alter erkennen

Mehr als nur ein wenig traurig: Depressionen im Alter erkennen

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Alte Dame geht einen Flur entlang und betrachtet Bilder an der der Wand. – Bild: wdv.de © Jan Lauer

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Leipzig/Berlin (dpa/tmn). Wer um die 60, 70 oder 80 Jahre alt ist, hat schon einiges erlebt. Das hat auch eine gute Seite: Die seelische Widerstandsfähigkeit ist oft höher als bei Jüngeren. Schließlich haben Ältere über Jahrzehnte hinweg lernen müssen, mit Enttäuschungen oder Verlusten umzugehen. Doch gleichzeitig häufen sich im Alter die Krisenmomente: der Tod des Partners oder von Freunden, schwere Krankheiten – oder einfach die Erfahrung, dass man nicht mehr so fit wie früher ist. Die Folge davon können Depressionen sein.

Oft unterschätzt: Depression im Alter

Es ist eine Erkrankung, die oft unterschätzt wird – gerade im Alter. Ärzte und Angehörige nehmen eine anhaltende gedrückte Stimmung bei Älteren oft als eine natürliche Reaktion auf die Bitternisse des Lebens hin. „Hinzu kommt, dass die Betroffenen sich selbst die Schuld geben, erschöpft und hoffnungslos sind und deshalb oft nicht zum Arzt gehen“, sagt Prof. Ulrich Hegerl. Der Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie ist Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Wie erkennt man eine Depression?

Dabei sind Depressionen im Alter eigentlich gut behandelbar, sagt Iris Hauth, Chefärztin im Alexianer Krankenhaus Berlin-Weißensee. „Von Depressionen ist dann die Rede, wenn Symptome wie Antriebs-, Freud- und Lustlosigkeit über mindestens zwei Wochen anhalten“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

„Voraussetzung ist eine entsprechende Veranlagung, und manchmal kommt noch Negatives als Auslöser hinzu“, sagt Hegerl. Die Erkrankung beeinflusst Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen und kann einen enormen Leidensdruck verursachen. Nur selten können sich Erkrankte alleine von gedrückter Stimmung und Antriebslosigkeit befreien.

Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle

„Eine wichtige Rolle kommt auch den Angehörigen eines Erkrankten zu“, sagt Diplom-Psychologin Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe. Sie sollten depressive Stimmungen keinesfalls verharmlosen. Hauth rät Angehörigen, die Betroffenen behutsam und bestimmt nach ihrer Befindlichkeit zu fragen. „Ich mache mir Sorgen um Dich, bitte suche Dir professionelle Hilfe“ – das gilt es zu verdeutlichen.

Allerdings gilt auch: „Es gibt Situationen, in denen Angehörige an ihre Grenzen stoßen“, warnt Sowinski. Sagt etwa ein Erkrankter, er wolle sich das Leben nehmen, sollten Angehörige den Notarzt rufen. Der kann den Betroffenen in eine Klinik einweisen.

Anlaufstellen bei Verdacht auf depressive Störungen

Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf depressive Störung ist ansonsten der Hausarzt. Um die Ursachen der Symptome zu finden, stehen dort zunächst Untersuchungen des Bluts an. „So werden etwa Schilddrüsenerkrankungen und ein Vitamin-B-Mangel ausgeschlossen“, erklärt Hauth.

Demenz und Depression nicht verwechseln

Depressionen zeigen sich im Alter mitunter auch in Sprach- und Gedächtnisstörungen und ähneln so einer Demenz. Um Verwechslungen zu vermeiden, stellt der Arzt Fragen. „Depressive Patienten können auf Nachfragen beispielsweise angeben, wie das Datum ist und wo sie sich gerade befinden“, sagt Hegerl. Bei Demenzerkrankten sei dies häufig nicht mehr möglich.

Ein weiteres Indiz für den untersuchenden Arzt: Schildern depressive Patienten ihre Beschwerden, wird dabei der mit der Krankheit einhergehende Leidensdruck deutlich. „Dagegen versuchen Betroffene mit einer Demenz, ihre Beschwerden häufiger kleinzureden oder zu überspielen“, so Hegerl.

Wichtig für die Diagnose sind auch Untersuchungen des Gehirns mit bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

Der Behandlungsweg

Häufen sich die Hinweise auf Depressionen, überweist der Hausarzt in der Regel an einen Psychiater oder an einen Psychotherapeuten. Der kann die Krankheit mit einer Psychotherapie oder Medikamenten behandeln. „Je nach Schweregrad kann auch beides miteinander kombiniert werden“, sagt Hauth. Eine Lichttherapie kann ebenfalls helfen. Und zur Behandlung gehören körperliches Training und regelmäßige Bewegung.

Aus der Trauer nach Verlust kann eine Depression entstehen

Nicht selten kommt es vor, dass die Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen mit Depressionen verwechselt wird. Beide Seelenzustände sind ähnlich, doch es gibt Unterschiede: Die Trauer hat immer einen direkten Anlass und lässt mit der Zeit nach. Bei einer Depression hingegen sind Betroffene fortdauernd gefühllos, leer und wie versteinert, so Hauth.

Allerdings kann es durchaus passieren, dass aus Trauer eine Depression entsteht – entweder, weil man über den Verlust nicht hinwegkommt oder weil es mehrere Todesfälle im eigenen Umfeld hintereinander gab.


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