Ihre-Vorsorge Logo

Diätplan nach Genen: Was bringen DNA-basierte Ernährungstipps?

Ein Ernährungsplan, der die eigene Gen-Ausstattung einbezieht: Solche Analysen können durchaus sinnvoll sein.

Artikel vorlesen

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Bremen (dpa/tmn). Wie der eigene Körper in Bezug auf Ernährung funktioniert, davon haben viele Menschen eine grobe Ahnung. Doch wie wäre es, bis ins Detail zu wissen, wie der eigene Körper tickt? Was er gut verstoffwechselt und mit welchen Lebensmitteln er Schwierigkeiten hat?

Es gibt einige Firmen, die solche Erkenntnisse versprechen. Sie bieten Ernährungspläne auf Basis von DNA-Analysen an. Oft werben sie mit dem Versprechen, dass Anwenderinnen und Anwender so ihrem Wunschgewicht näherkommen.

„Dieser individuelle Ansatz spricht damit natürlich auch Menschen an, bei denen andere Wege zur Gewichtsabnahme bislang nicht funktioniert haben“, sagt Annabel Dierks, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen.

Lieber Quark oder Brötchen am Morgen?

Die Anbieter argumentieren, dass Körper in ihren Bedürfnissen und Eigenschaften ganz unterschiedlich beschaffen seien. Folgt man dieser Logik, stoßen allgemeine Ernährungsempfehlungen zwangsläufig an ihre Grenzen. „Man kann nicht erfühlen, was für den eigenen Körper gut funktioniert – abgesehen von offensichtlichen Symptomen wie Bauchschmerzen“, sagt Olaf Schneider, Geschäftsführer und Gründer des Gesundheitsunternehmens cerascreen, das Selbsttests anbietet.

Vor diesem Hintergrund seien DNA-Analysen aufschlussreich, sagt Schneider. Etwa um herauszufinden, wie gut man Proteine, Fette oder Kohlenhydrate verstoffwechseln könne. So kann sich beispielsweise herausstellen, dass Quark am Morgen für den eigenen Körper die bessere Wahl ist als ein Brötchen.

Gene mit Einfluss auf den Stoffwechsel

DNA-Analysen nehmen die Gene in den Blick. In ihnen sind nicht nur körperliche Merkmale wie Augen- oder Haarfarbe festgeschrieben, sondern auch Informationen über Stoffwechsel oder Hunger- und Sättigungsgefühl hinterlegt. So ist etwa bekannt, dass das sogenannte FTO-Gen in bestimmten Ausprägungen das Risiko für Übergewicht erhöhen kann. Doch viele Fragen sind noch offen.

„Es ist vollkommen richtig, dass Menschen Gen-Variationen aufweisen, die sich unterschiedlich auf den Stoffwechsel auswirken können“, sagt Verbraucherschützerin Dierks. Die Wissenschaft sei bei diesem Thema jedoch noch nicht weit genug. „Es gibt vieles, was noch gar nicht entdeckt oder wissenschaftlich ausreichend belegt wurde.“

Anbieter von Gentests können sich folglich nur eine Auswahl an Gen-Variationen herauspicken, um sie zu testen und Empfehlungen abzuleiten. Ob das den Körper in seiner Gesamtheit abbilden kann, lässt sich infrage stellen.

Die Rolle des Lebensstils

Dazu kommt: Auch der Lebensstil spielt eine Rolle, wenn es darum geht, ob die gewünschten Kilos verschwinden. „Fehlende Bewegung etwa lässt sich nicht uneingeschränkt durch die Ernährung kompensieren“, sagt cerascreen-Geschäftsführer Schneider. Man muss demnach auch bereit sein, an seinem Verhalten etwas zu ändern.

Dabei zeigt sich ein Vorteil der personalisierten Pläne: Sie können den nötigen Anstoß geben, auch wirklich an Ernährung und Lebensstil zu schrauben. „Um abzunehmen muss schließlich ein Energie-Defizit erreicht werden“, sagt Verbraucherschützerin Dierks. Personalisierte Ernährungspläne seien „scheinbar speziell“ für einen Menschen erstellt, was ihn vielleicht eher dazu bewegt, sie auch einzuhalten.

Wie läuft ein solcher Test ab?

Am Anfang steht ein Test-Kit, das dem Kunden oder der Kundin zugeschickt wird. Soll der Stoffwechsel untersucht werden, wird eine Speichelprobe fällig – Stäbchen rein, gut verpacken, an den Anbieter zurücksenden. Die Probe werde an ein Labor weitergeleitet, wo bestimmte Gene und ihre Variationen analysiert werden, erklärt Olaf Schneider von cerascreen. Auf der Basis entstünden dann Schlussfolgerungen und Empfehlungen.

Durch Selbsttests lassen sich auch andere Informationen über den eigenen Körper sammeln – etwa über die Beschaffenheit des Mikrobioms, also der Bakterien, die den Darm besiedeln.

Die Kosten für einen Stoffwechsel-Test liegen – je nach Anbieter – bei rund 150 bis 300 Euro. Wie der Preis ausfällt, hängt auch davon ab, ob ein persönliches Ernährungscoaching inbegriffen ist oder man lediglich einen Bericht samt Ernährungsempfehlungen erhält.

Vorsicht bei dubiosen Tipps

Wer sich für eine DNA-Analyse entscheidet, sollte bei dubiosen Ernährungstipps hellhörig werden: Zum Beispiel, wenn dazu geraten wird, auf bestimmte Lebensmittelgruppen komplett zu verzichten und dafür etwa exotische Früchte auf den Speiseplan zu setzen, schildert Annabel Dierks. Das könne zu Mangelerscheinungen führen.

Auch Datenschutz ist ein Thema. Die DNA gehört zum Persönlichsten, das man von sich preisgeben kann: Wer eine Analyse anstoßen möchte, sollte sich vorab ganz genau über die Datenschutzbestimmungen des Unternehmens informieren.

Am Ende führt vielleicht doch eine klassische Ernährungsberatung eher zum Ziel. Letztlich sei auch die individualisiert, sagt Dierks. „Es gibt ein Vorgespräch, es wird ein Ernährungsprotokoll geführt und Vorlieben werden in die Beratung einbezogen.“

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit klärt zur Organspende mit neuer Broschüre und Plakat zu weit verbreiteten Irrtümern auf.

Time
2 Minuten

Auch wer sich bei Zahnersatz für die Kassenvariante entscheidet, muss zuzahlen – oft mehrere hundert Euro. Das ist einfach nicht drin? Für solche Fälle gibt es eine Härtefallregelung.

Time
3 Minuten

Wer Mahlzeiten vorbereitet, befolgt neben den Rezepten besser einige Hygiene-Regeln. Auch auf die Art der Lagerung im Kühlschrank kommt es an.

Time
2 Minuten

Bis kurz vor dem geplanten Kabinettstermin ringen Union und SPD um einen Kompromiss in ihrem Streit um die Pflege. Dann gibt es grünes Licht für die Reform.

Time
3 Minuten

Kein Jahr ohne Grippewelle: Vor schweren Verläufen schützt eine Impfung, die man sich bei Hausärztin, Betriebsarzt oder in Apotheken abholen kann. Für wen ist der Piks wichtig, für wen verzichtbar?

Time
3 Minuten

Gesund alt werden – wer will das nicht? Das Herz spielt dabei eine wichtige Rolle. Schon kleine Schritte tragen dazu bei, dass es besser arbeitet. Das Gute ist: Anfangen lohnt sich jederzeit.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026