Stuttgart (iv). Wenn Krebspatienten unter starker langanhaltender Müdigkeit leiden, spricht man vom Chronischen Fatigue Syndrom (CFS, frz. Fatigue – Müdigkeit). Schätzungen zufolge entwickeln etwa 30 Prozent der Krebspatienten eine chronische Form der tumorbedingten Fatigue, so der Krebsverband Baden-Württemberg. Betroffene können sich jedoch helfen lassen.
CFS bezeichnet eine starke körperliche und psychische Erschöpfung mit weitreichenden Folgen, wenn sie nicht schnell genug erkannt wird. Der gut gemeinte Rat: „Schlaf dich mal wieder richtig aus, dann geht‘s Dir morgen besser!“ hilft Krebspatienten mit Fatigue nicht weiter. „Krebskranke Menschen empfinden eine lähmende Erschöpfung, die nicht vergleichbar ist mit der normalen Müdigkeit gesunder Menschen. Sie entsteht ohne Anstrengung und lässt sich nicht einfach durch Ausschlafen beheben. Jeder, der diese gesundheitliche Störung selbst erlebt hat, weiß wie sehr sie den Alltag beeinträchtigen und die Lebensfreude rauben kann“, betont Ulrika Gebhardt, Geschäftsführerin des Krebsverbandes.
Tumorbedingte Fatigue: „Nebel im Kopf“
Schon bei der Aufnahme in die Klinik verspürt etwa ein Drittel aller Krebspatienten Müdigkeits- und Erschöpfungssymptome. Die tumorbedingte Fatigue zeigt sich durch abnehmende Leistungsfähigkeit, Inaktivität, fehlende Regeneration, Hilflosigkeit oder depressive Stimmungen. Sie kann während oder nach einer Therapie auftreten. So haben schätzungsweise 90 Prozent aller Patienten nach einer Chemotherapie Fatigue. Sie äußert sich in Form von Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Denkstörungen, auch bekannt als „Chemobrain“ oder „Nebel im Kopf“.
Auch körperliche Mangelzustände wie Blutarmut, Gewichtsverlust, Mangelernährung in Verbindung mit einer Krebserkrankung können der Auslöser für die Fatigue sein, indem sie verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper beeinflussen.
Vor allem wenn die Erschöpfung nicht gleich erkannt wird und über Wochen oder Monate anhält, beeinträchtigt sie die Genesung und belastet das soziale und berufliche Leben der Erkrankten sehr. Sie können dann einfach nicht mehr am alltäglichen Leben teilnehmen. Deshalb sei es wichtig, Krebspatienten möglichst früh für diese Störung zu sensibilisieren und ihnen zu helfen, mit der Fatigue zurechtzukommen, so der Krebsverband.
Beratungsstellen helfen weiter
In den 16 ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen in Baden-Württemberg können sich Betroffene beraten lassen. Dort gelingt es ihnen leichter, ihre Erschöpfung einzuordnen und zu verstehen. Neue Verhaltensweisen wie regelmäßige Bewegung, Entspannung und Tipps zur Alltagsbewältigung können den Betroffenen helfen.
Aber auch Bewegung und Sport helfen vielen Betroffenen aus der Fatigue herauszukommen. Aus diesem Grund hat der Krebsverband Baden-Württemberg zusammen mit dem NCT Heidelberg eine Broschüre zum Thema „Sport, Bewegung und Krebs“ entwickelt.
