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Kommt die Pockenimpfung mit dem Affenpocken-Ausbruch zurück?

Die ungewöhnlichen Fälle von Affenpocken sorgen bei vielen Menschen für ein Déjà-vu. Wie sieht es heute mit Impfstoffen aus?

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Frau mit Mund-Nasen-Schutz zieht eine Impfspritze auf. Bild: IMAGO / Sven Simon / Frank Hoermann

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Berlin (dpa). Bis heute zeugt die Narbe am Oberarm vieler Erwachsener davon: 1967 startete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine weltweite Impfkampagne gegen Pocken, im Zuge derer Milliarden geimpft wurden. Es war der Anfang vom Ende der auch Blattern genannten Krankheit.

Seit dem Ende von Pockenimpfungen – die Pflicht zur Erstimpfung wurde etwa in der BRD 1976 und in der DDR 1982 aufgehoben – sind allerdings immer weniger Menschen gegen das Variolavirus immun, das die Pocken hervorruft. Braucht es nun erneut eine breite Impfkampagne oder reicht das bei bestimmten Gruppen?

Speziell gegen Affenpocken gibt es in Europa keine zugelassenen Impfstoffe. Allerdings nehmen Fachleute an, dass herkömmliche Pockenimpfstoffe einen gewissen Schutz bieten.

Die Bundesregierung hat laut einem Bericht für den Gesundheitsausschuss des Bundestages etwa 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff eingelagert. Dieses Vakzin sei wegen zu erwartender Nebenwirkungen jedoch nicht zum Einsatz gegen Affenpocken geeignet, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.

Jeder Vierte würde Pockenimpfung nicht vertragen

„Der ältere Pockenimpfstoff hat viele Nebenwirkungen, zudem enthält er vermehrungsfähige Viren, die sich im Körper von immungeschwächten Menschen ausbreiten könnten“, sagte Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. Nach den Worten des Wiener Facharztes für Impfen und Reisemedizin Herwig Kollaritsch wäre heutzutage etwa ein Viertel der Bevölkerung wegen Gegenanzeigen wie Immunschwächen nicht mehr damit impfbar.

Daneben gibt es noch einen neueren Pockenimpfstoff, der auf einer Weiterentwicklung durch den Mikrobiologen Anton Mayr in den 1960er Jahren in Bayern basiert: Dabei werde ein im Labor abgeschwächtes Impfvirus genutzt, um eine Immunantwort gegen Pocken zu erzeugen, sagte Kollaritsch. Fachleute sprechen kurz von MVA-Impfung (MVA: Modifiziertes Vacciniavirus Ankara).

„Diese Impfung wurde in den 1960ern eine Zeit lang verwendet, aber nie in großem Stil. Sie ist besser verträglich, das Virus nicht mehr vermehrungsfähig“, sagte Kollaritsch, der Mitglied des österreichischen Pendants zur Ständigen Impfkommission (Stiko) ist. Es bilde sich auch keine Impfnarbe. Er sieht bei dem Vakzin das Problem einer recht ungewissen Impfeffektivität in der Praxis angesichts der ausgerotteten Krankheit. „Man kann aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einem Schutz ausgehen.“

Das seit 2013 in der EU für Erwachsene gegen Pocken zugelassene MVA-Vakzin heißt Imvanex und kommt von der deutsch-dänischen Firma Bavarian Nordic. In den Vereinigten Staaten ist es bereits gegen Affenpocken zugelassen. Die WHO wies kürzlich darauf hin, dass es nicht flächendeckend verfügbar sei. Britische Gesundheitsbehörden haben jüngst nach Angaben der UK Health Security Agency mehr als 1000 Dosen davon an Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten verabreicht.

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