Ihre-Vorsorge Logo

Mehr Schmerzexperten in der Pflege gefordert

Eigentlich sollen pflegerische Schmerzexperten dafür sorgen, dass Patienten möglichst wenig leiden. Doch sie sind noch viel zu wenig im Einsatz.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Schwester am Krankenbett einer Patientin. Bild: IMAGO / agefotostock

© Nicht definiert

Mannheim (dpa). Noch immer haben zu viele Menschen nach Ansicht einer Expertin starke Schmerzen – sei es in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen. „Stellen Sie sich vor, Sie liegen mit Schmerzen im Bett und keiner kümmert sich darum“, sagte Nadja Nestler von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg der Deutschen Presse-Agentur im Mannheim. Das passiere noch allzu oft in deutschen Kliniken. Jeder zweite Operierte leide unter unnötig starken Schmerzen. Der verstärkte Einsatz pflegerischer Schmerzexperten könne nach Meinung der Expertin vom Institut für Pflegewissenschaft und -praxis Abhilfe schaffen.

Neue Herausforderungen für Schmerzexperten

Das Thema stand in der vergangenen Woche auch auf der Tagesordnung des viertägigen Deutschen Schmerzkongresses in Mannheim. Nestler betonte, die für Erfassung von Schmerzen und deren Behandlung ausgebildeten pflegerischen Schmerzexperten müssten eine deutlich größere Rolle spielen. „Es gibt Kliniken, die Schmerzmanagement gar nicht interessiert.“

Dabei sei das gerade angesichts einer wachsenden Zahl von chronisch Kranken von Bedeutung, die Schmerzen in die Klinik mitbringen. Auch Demenzkranke, die ihre Schmerzen nicht mehr mitteilen könnten, stellten Kliniken und Pflegeheime vor neue Herausforderungen, die Schmerz-Experten bewältigen könnten. Die dünne Personaldecke verführe dazu, die Kompetenz der bundesweit etwa 20.000 pflegerischen Schmerzexperten gar nicht abzurufen.

Das Aufgabenfeld von „pain nurses“

Und so sieht das Aufgabenfeld der im englischen Fachjargon auch „pain nurses“ genannten Pflegenden aus: Sie erfassen die Schmerzen eines Patienten auf einer Skala von null bis zehn, fragen nach Medikamenten und empfehlen wenn nötig zusätzliche. Sie schauen, dass die Patienten im Bett gut gelagert sind, dass sie – wenn gewünscht – Ablenkung erhalten, und sie thematisieren mögliche Unterstützung durch Freunde und Familie.

Über allem steht, die Angst vor Schmerzen zu nehmen, unter anderem durch Information und Beteiligung der Patienten. „Unser Ziel ist, dass die Kranken sich mit ihren Schmerzen aufgehoben und wahrgenommen fühlen und wir ihren Schmerz lindern können“, sagt Ruth Boche, Sprecherin der Expertengruppe Pflegeexperten Schmerz vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.

Schmerzmanagement geht nicht nebenbei

Dafür müssten den Experten von ihrem Arbeitgeber ein Zeitrahmen für festgelegte Aufgaben gewährt werden. Nebenbei lasse sich die Behandlung von Schmerzen nicht erledigen, sagte Boche, Pflegeexpertin am Uni-Klinikum in Münster.

Krankenhäuser könnten ein gutes Schmerzmanagement auch für ihre Werbung nutzen, eine bessere Heilung erreichen und dadurch die Verweildauer reduzieren. Auch bei der Entlassung müssten die Patienten erfahren, welche Schmerzmittel sie wann einnehmen müssen, welche Bewegungen sie meiden und wie sie selbst zum Genesungsprozess beitragen können.

Pflegewissenschaftlerin Nestler plädierte auch für die Akademisierung der Tätigkeiten, so dass die Kooperation mit den Ärzten reibungsloser verlaufe. Deutschland hinke Ländern wie Österreich, Großbritannien, den Benelux-Ländern und Skandinavien hinterher. Pflegerische Schmerzexperten absolvieren in Deutschland derzeit eine Fortbildung von 42 Stunden.

Weitere Informationen


Weitere Artikel

Time
5 Minuten

Wenn der Partner oder die Kollegin zusammenbricht, kommt es auf jede Sekunde an. Doch viele sind in Sachen Wiederbelebung unsicher. Welche Folgen das hat – und welche Hoffnung auf der Jugend ruht.

Time
3 Minuten

Luft anhalten, Kopfstand turnen, sich erschrecken lassen: Es gibt einiges, das Schluckauf in die Flucht schlagen soll. Experten erklären, wie das Hicksen entsteht, und was alle Tipps gemeinsam haben.

Time
2 Minuten

In Frankfurt treffen sich ab Mittwoch rund 1000 Altersmediziner und Altersforscher. Ein Thema des Kongresses ist die Suche nach dem ewigen Leben.

Time
2 Minuten

Lungenkrebs-Screening für Raucher, Früherkennung für Brust und Darm: Mehr als eine halbe Million Menschen erkrankt jährlich an Krebs. Was man tun kann und was sich für Versicherte geändert hat.

Time
4 Minuten

Die Krankenkasse kündigt eine Prüfung durch den Medizinischen Dienst an? Das kann Krankengeld und sogar den Job kosten. Was Arbeitnehmer wissen sollten.

Time
2 Minuten

Wer betreut die im Haushalt lebenden Kinder während einer Reha-Maßnahme? Die Deutsche Rentenversicherung kann helfen.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026