Ihre-Vorsorge Logo

Mit „Mythen“ über ADHS aufräumen

Fast jeder kennt Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ADHS und fast jeder hat eine Meinung dazu. Viele Vorurteile sind Unfug.

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Mädchen im Grundschulalter hat Lernprobleme, ein Erwachsener sitzt daneben.

© Nicht definiert

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Mit einem Video wollen Wissenschaftler gängige „Mythen“ über die Aufmerksamkeitsstörung ADHS ausräumen. „Es gibt wahrscheinlich keine Erkrankung, über die so meinungsstark, aber faktenschwach diskutiert wird wie über ADHS“, sagt Prof. Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt und Koordinator eines europaweiten Forschungsprogramms zu ADHS. „Es existieren wahnsinnig viele Vorurteile zu dem Thema.“

Das Video, das Anfang November auf verschiedenen Plattformen online gestellt werden soll, konfrontiert Menschen mit „gängigen Mythen“, wie Reif erklärt. „Das häufigste Vorurteil ist, dass es ADHS gar nicht gibt, sondern eine Erfindung der Pharma-Industrie ist, um abhängig machende Substanzen unters Volk zu bringen“, sagt er. „Das sind gleich drei Vorurteile in einem und alle drei sind falsch.“

ADHS-Diagnose: Klare Kriterien, belastbare Datenbasis

Für die Diagnose gebe es „klare Kriterien, viele Befunde und eine belastbare Datenbasis“. Der Patentschutz für Methylphenidat („Ritalin“) sei schon lange ausgelaufen und daher mit dem Vertrieb „kein Blumentopf mehr zu gewinnen“. ADHS-Medikamente seien nachweislich gut wirksam und verringerten sogar das generelle Suchtrisiko bei den Patienten.

Weder die Eltern noch die Gesellschaft sind „schuld“

„Das schlimmste Vorurteil ist jedoch, dass ADHS von schlechter Erziehung kommt“, sagt Reif. Es sei „fatal“, wenn Eltern eine Schuld zugesprochen wird, die sie gar nicht haben. Ein weiteres Vorurteil: Die Gesellschaft ist schuld. „Natürlich haben ADHS-Kinder auf der Alm keine großen Probleme, aber die meisten Kinder sind nun mal nicht auf der Alm, sondern in der Schule“, sagt Reif.

Auch Erwachsene leiden unter ADHS

Auch falsch ist aus seiner Sicht, dass sich ADHS auswächst. Reif zufolge leiden rund 15 Prozent der ADHS-Kinder auch als Erwachsene unter den vollen Symptomen, bei rund der Hälfte führt die Krankheit zu einer Beeinträchtigung, etwa durch Konzentrationsstörungen. In einem Positionspapier beklagten Experten verschiedener Institutionen kürzlich eine deutliche „Versorgungslücke“ bei Erwachsenen mit ADHS.

Therapieansätze ohne Medikamente

In Frankfurt laufen derzeit gleich drei Studien, in denen neuartige Therapien ohne Medikamente erprobt werden: Mit Verhaltenstherapie (ESCAadol), Hirnstimulation (STIPED) und Bewegung plus Lichttherapie (PROUD), wie die Pressestelle der Uni-Klinik berichtete.

Bei einer Hirnstimulation bekommt der Patient einen schwachen Strom-Impuls. Die Methode wird zum Beispiel bei Depressionen oder nach einem Schlaganfall eingesetzt. Nun soll sie erstmals für ADHS getestet werden. Die Forscher halten die Methode nach eigenen Angaben „für sehr gut verträglich, leicht durchführbar und kosteneffektiv“. Auch Laufen und eine Lichttherapielampe werden erprobt. Die Patienten werden dabei über eine eigens entwickelte Smartphone-App angeleitet.


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Manchmal reicht das Einatmen von kühler Luft und schon zieht es fies. Wer empfindliche Zähne hat, fragt sich: Was kann ich dagegen tun? Experten geben zum Teil überraschende Tipps.

Time
2 Minuten

Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht? Experten zufolge ist das zu kurz. In Deutschland trifft das aber auf viele Menschen zu. Vor allem eine Gruppe ist betroffen, wie eine Untersuchung zeigt.

Time
3 Minuten

Eine Übersichtsstudie zeigt: E-Zigaretten helfen mehr Rauchern beim Ausstieg als andere Methoden. Doch sind sie wirklich die beste Art zum Aufhören? Krebsforscher bleiben kritisch.

Time
2 Minuten

Die Behandlung mit Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro kostet mehrere Hundert Euro im Monat. Eine Kostenübernahme könnte die GKV mit Milliarden belasten, warnt Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands.

Time
2 Minuten

Neue Funktionen sollen die elektronische Patientenaktie attraktiver machen. Welchen konkreten Nutzen bringt das den Versicherten?

Time
2 Minuten

Mehr als 35.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an einer Sepsis. Wie Sie die Warnzeichen selbst erkennen können – und warum schnelle Hilfe Leben rettet.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026