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So schützen sich Reisende vor Krankheiten

Dengue, Hepatitis – und Durchfall: Im Urlaub will niemand krank werden, doch Risiken gibt es immer. Wer sie kennt, ist entspannter unterwegs. Was Mediziner für Fern- und Europareisen empfehlen.

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So schützen sich Reisende vor Krankheiten

© Nicht definiert

Berlin/Hamburg (dpa/tmn). Sonne, Strand, Natur, Erholung, neue Erlebnisse – jeder verspricht sich etwas Anderes von seinem Urlaub. Was die meisten lieber ausblenden: Reisen bringen immer gewisse Gesundheitsrisiken mit sich. Und in vielen Ländern können Krankheiten im Umlauf sein, die im deutschen Alltag keine Rolle spielen.

Das Gute ist: Wer die Risiken kennt und sich darauf vorbereitet, bleibt in der schönsten Zeit des Jahres ziemlich sicher gesund und kann alles in vollen Zügen genießen. Zwei Fachleute aus der Reisemedizin geben Antworten auf wichtige Fragen.

Was sind die Klassiker der Reiseprobleme?

„Durchfall, Sonnenbrand und Mückenstiche“, sagt Tomas Jelinek. Das seien die gesundheitlichen Probleme, mit denen Urlauber mit Abstand am meisten tun haben. „Das hört sich banal an, aber das kann alles garstig sein“, sagt der Infektiologe aus Berlin, der Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin ist.

Basics wie Sonnenschutz, Mückenschutz und Medikamente, die bei Durchfall helfen, gehören auch deshalb immer in den Koffer.

Welche Impfungen braucht es und wie wäge ich das ab?

Gegen einige Gesundheitsrisiken im Urlaub können sich Reisende mit Impfungen schützen. Ob für eine Reise eine bestimmte Immunisierung nötig ist, das hängt von vielen Faktoren ab. Was die Internistin Sabine Jordan grundsätzlich rät: „Egal, wohin man reist: Alle Impfungen, die hierzulande als Standard empfohlen sind, sollte man haben“, sagt die Ärztin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dazu gehören Tetanus, Masern oder Polio: Krankheiten, die in anderen Erdteilen mitunter wesentlich häufiger vorkommen als in Deutschland.

Ob man sich darüber hinaus speziell für eine Reise noch eine Impfung holt, ist eine individuelle Abwägung und hängt wesentlich davon ab, wo man Urlaub macht und was man dort vorhat – aber auch wie häufig oder gefährlich eine Krankheit ist.

Hepatitis A zum Beispiel ist eine Krankheit, bei der das Ansteckungsrisiko in vielen Ländern deutlich höher ist als in Deutschland. Die Erreger, die eine Leberentzündung auslösen können, werden etwa durch verunreinigte Lebensmittel übertragen. Zwar ist es eine Erkrankung, die meist harmlos verläuft. Doch in seltenen Fällen kann sie schwere Verläufe nehmen. In der Abwägung sei Hepatitis A deshalb eine klassische Reiseimpfung, die sehr großzügig empfohlen werde, sagt Jordan.

Inwiefern spielt die Art des Urlaubs eine Rolle bei der Impffrage?

Wer seinen Urlaub ausschließlich in einer Hotelanlage verbringt, ist in mancher Hinsicht tatsächlich weniger exponiert. Das Risiko für Tollwut oder bestimmte seltene Infektionen ist deutlich geringer, wenn man nicht viel herumkommt oder mit Tieren und der lokalen Umwelt in Kontakt gerät.

Besucht man etwa auf Bali Affenparks oder ist generell viel auf der indonesischen Insel unterwegs, sollte man über eine Tollwutimpfung nachdenken. Denn hier gilt: Die Wahrscheinlichkeit, Tollwut zu bekommen, ist sehr gering, das Gesundheitsrisiko im Fall einer Ansteckung aber sehr hoch. Zwar gibt es nach Bissen oder Kratzern infizierter Tiere noch eine Behandlungsmöglichkeit – doch darauf sollte man es nicht ankommen lassen. Und bricht die Infektion einmal aus, verläuft sie tödlich.

Plant man nur Cluburlaub, muss man sich vielleicht mit weniger Gesundheitsgefahren auseinandersetzen als bei einem Backpacking-Trip quer durch ein Land. Risiken gibt es dennoch. „Hotelanlagen schützen nicht vor lebensmittelübertragbaren Erkrankungen“, sagt Sabine Jordan. Durchfallerkrankungen oder Hepatitis A bleiben dort ein Thema. Hinzu kommen etwa Mückenkrankheiten, die unabhängig vom Reisestil auftreten können. „Man kann auch auf den Malediven Dengue-Fieber bekommen“, sagt sie.

Gibt es Reiseländer, die bei Krankheiten unterschätzt werden?

Ja. Tomas Jelinek fällt im Gespräch spontan die Dominikanische Republik ein. Das beliebte Sonnenziel in der Karibik locke viele Reisende, doch ganz wenige ließen sich vorher beraten, so der Fachmann. Dabei gibt es, auch bedingt durch die lange Grenze mit dem krisengeplagten Haiti auf der Insel Hispaniola, viele Gesundheitsrisiken: Dengue, Chikungunya, Diphtherie, Meningokokken sowie auch die bakterielle Infektionskrankheit Leptospirose, zählt der Experte auf.

Welche Krankheiten drohen in bestimmten Weltregionen?

Wollte man diese Frage vollständig beantworten, würde das ein Buch füllen. Ein kurzer schlaglichtartiger Überblick zeigt aber, warum man sich gerade vor Fernreisen frühzeitig über die Gesundheitsrisiken schlaumachen und vorsorgen sollte – bei Bedarf mit Impfungen, in jedem Fall aber mit einer passend bestückten Reiseapotheke.

  • Südostasien (etwa Thailand, Bali, Sri Lanka): Hier drohen je nach Ziel zum Beispiel diverse von Mücken übertragene Krankheiten. Vor allem das Dengue-Fieber breitet sich Experten zufolge zunehmend aus.
  • Afrika (etwa Kenia, Tansania, Sansibar): Hier spielt etwa Malaria eine Rolle. Zum Beispiel auch auf Sansibar, wo die Erkrankung als zurückgedrängt galt. „Doch die Zahlen haben auf der Insel massiv zugenommen“, warnt Sabine Jordan.
  • Südamerika (etwa Brasilien, Argentinien, Peru): Hier ist vielerorts unter anderem Gelbfieber ein Thema. Das zieht sich bis nach Mittelamerika. Der Panamakanal sei hier die Grenze, sagt Jordan. Alles südlich davon sei klassisches Gelbfiebergebiet.

Was ist mit Europa?

Gleicher Kontinent, gleiche Gesundheitsrisiken? So einfach ist es nicht. Wegen der Ausbreitung der Tigermücke werden etwa Erkrankungen wie Dengue und Chikungunya im Süden relevanter.

In Italien, Frankreich und Spanien gab es in der Vergangenheit schon Ausbrüche, sagt Tomas Jelinek: „Europa wird in der Hinsicht schon tropischer.“ Sich dort mit Sprays, Moskitonetzen und langer Kleidung gegen Mücken zu schützen, ist ratsam. Fährt man in Regionen mit Ausbruchsgeschehen, können darüber hinaus Impfungen Sinn machen.

Das gilt auch für eine weitere von kleinen Blutsaugern verbreitete Krankheit: FSME. Risikogebiete für dieser von Zecken übertragenen Krankheit gibt es unter anderem in der südöstlichen Hälfte Deutschlands, in ganz Osteuropa, in Österreich, der Schweiz und Teilen Skandinaviens. Auch gegen FSME kann man sich impfen lassen.

Wann sollte man nach der Reise zum Arzt?

Manche Infektionen haben spezifische Krankheitsbilder. Bei Dengue haben viele Betroffene mit sehr starken Muskelschmerzen zu kämpfen, bei Chikungunya mehr mit Gelenkschmerzen, sagt Tomas Jelinek. Aber Kopfweh, Fieber, Leistungsschwäche, das seien allgemeine Symptome bei vielen Erkrankungen.  Ist es eine Tropenkrankheit oder ein Infekt mit heimischen Viren? „Das lässt sich nur mit einer Blutentnahme klären“, sagt der Mediziner. „Es kann ja auch mal Malaria sein, wo es dann wirklich auch lebensgefährlich wird. Also sollte man auf jeden Fall gucken.“

Das gilt auch für Durchfallerkrankungen nach Reisen, die von verschiedenen Erregern ausgelöst werden können, oder auch für unklare Hautbeschwerden.

Jelinek würde sich wünschen, Menschen nicht nur nach der Reise mit Beschwerden, sondern noch häufiger auch vorher bei sich in der Praxis zur Beratung zu begrüßen: „Mit dem Ziel, dass sie im Urlaub gar nicht erst krank werden.“

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