München (tö). Ein Großteil der Rücken-Operationen in Deutschland ist unnötig. Das zeigt eine neue Analyse der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach erhielten 88 Prozent der Patientinnen und Patienten, die vor einer geplanten Rücken-OP oder mit einer Krankenhauseinweisung in einem Schmerzzentrum intensiv untersucht wurden und dort eine Zweitmeinung einholten, die Empfehlung, auf den Eingriff zu verzichten. Ähnliche Zahlen hatte die TK bereits 2021 veröffentlicht. Damals waren 6.000 Fälle untersucht worden.
In Deutschland leiden nach Angaben der TK 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben an Rückenschmerzen. Zahlen des Robert Koch-Instituts deuten darauf hin, dass besonders bei jüngeren berufstätigen Menschen hartnäckige Rückenschmerzen zugenommen haben, die zudem chronisch werden und immer wieder auftreten. Es werde aber leider “immer noch zu schnell zum Messer gegriffen”, sagte TK-Chef Jens Baas. In einigen Fällen seien solche Operationen an der Wirbelsäule zwar als letzte Option notwendig. Doch die Entscheidung sollte gut abgewogen werden. “Wenn die allermeisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zweitmeinungsprogramm ohne OP auskommen, zeigt das unsere Fehler im System.”
Laut Baas sind Operationen an Rücken, Knie und Hüfte “für die Kliniken sehr lukrativ”. Leider wirkten die finanziellen Anreize im Gesundheitswesen derzeit so, dass sich im Zweifelsfall eine Entscheidung zur Operation mehr lohne als eine Entscheidung dagegen. Der TK-Vorsitzende hofft aber, dass dies mit der Krankenhausreform besser wird. Mediziner weisen immer wieder darauf hin, dass sich Rückenbeschwerden sehr gut mit schonenderen Verfahren – zum Beispiel durch Muskelaufbau mit klassischer Physiotherapie und mehr Bewegung – behandeln lassen.
