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Viele Senioren verzichten auf wichtige Grippe-Impfung

Zahlen der Techniker Krankenkasse zeigen: Impfquoten sinken, wieder mehr Antibiotika bei Erkältungen.

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Spritze zieht Impfstoff auf. Bild: IMAGO / Science Photo Library

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München (tö). Zunehmend weniger ältere Menschen in Deutschland lassen sich gegen Grippe impfen. Das zeigt der Infektionsreport der Techniker Krankenkasse (TK) und des aQua-Instituts. Demnach sinken Grippe-Impfquoten bei den älteren TK-Mitgliedern weiter. Nach einem Anstieg im Coronawinter 2021/2022, in dem sich 47 Prozent der über 60-jährigen TK-Versicherten gegen Grippe impfen ließen, sank die Quote 2022/2023 auf 43 Prozent und in der vergangenen Wintersaison 2023/2024 auf 42 Prozent. 

„Nach der Pandemie scheint sich eine Impfmüdigkeit breit zu machen. Dabei gilt weiterhin: Eine echte Grippe ist keine harmlose Erkältung und eine Impfung ist der beste Schutz und vor allem für Risikogruppen wichtig“, sagte TK-Vorstandschef Jens Baas. Zielvorgabe der EU ist es, dass sich 75 Prozent der älteren Menschen gegen Grippe impfen lassen sollten. Die TK ist Deutschlands größte Ersatzkasse mit nach eigenen Angaben 11,8 Millionen Versicherten. Für den Report werden jeweils die Monate von Oktober bis Ende März eines Folgejahres untersucht. 

Dem TK-Bericht zufolge waren in den vergangenen beiden Wintern TK-Versicherte häufiger wegen Erkältungen und Co. krankgeschrieben: In den Wintern 2022/2023 sowie 2023/2024 fiel durchschnittlich fast jede beziehungsweise jeder fünfte erwerbstätige Versicherte wegen einer Atemwegsinfektion aus. Im Pandemiewinter 2021/2022, als teilweise noch Kontaktbeschränkungen galten, war es noch jede und jeder neunte. Einer der Gründe für den Anstieg: Es gibt einen Nachholeffekt bei verschiedenen Atemwegsinfektionen, wie etwa einer Bronchitis. 

Mehr Menschen erkältet - aber weniger lang

„Virale Atemwegsinfekte sind wahrscheinlich auch so eine Art Trainingsprogramm für unser Immunsystem: Weil wir den Kontakt zu Atemwegsviren nicht mehr gewöhnt waren, sind auch die Symptome zuletzt deutlich heftiger ausgefallen“, beschreibt Attila Altiner, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg, dieses Phänomen. So fielen laut dem TK-Bericht in den vergangenen beiden Wintern deutlich mehr Menschen erkältungsbedingt aus, die durchschnittliche Dauer ist jedoch spürbar zurückgegangen. 

Der neue Report zeigt auch, dass Versicherte mit einer Atemwegsinfektion wieder mehr Antibiotika verschrieben bekommen haben. Im vergangenen Winter 2023/24 bekamen 18 Prozent der TK-Versicherten, die wegen einer Atemwegsinfektion bei ihrem Arzt oder bei ihrer Ärztin waren, ein Antibiotikum verordnet. Damit ist wieder fast das Vor-Corona-Niveau erreicht, nachdem die Verschreibungszahlen in der Pandemie deutlich zurückgegangen waren. 

Experte Altiner warnt jedoch: „Bei Viren helfen Antibiotika nicht. Und auch bakterielle Infekte müssen nicht immer direkt mit Antibiotika behandelt werden. Oft kann der Körper sich selbst helfen. Bei abwendbar gefährlichen Verläufen ist es aber natürlich sinnvoll, Antibiotika einzusetzen. Denn Antibiotika können Lebensretter sein.“


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