Altersvorsorge / 29.08.2022

Baukredit mit 50+: Geld gibt’s auch im Alter

Auch ältere Menschen brauchen mitunter ein Darlehen von der Bank für eine Immobilie. Wie die Chancen stehen und was Verbraucherschützer raten.

Renterpaar sitzt im Garten auf einer Bank und schaut auf das gemeinsame Haus. Bild: IMAGO / Westend61 / imago stock&people

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Es ist noch immer der typische Fall einer Baufinanzierung: Eine junge Familie kauft ihr Häuschen und nimmt dafür einen Kredit auf, den sie bis zur Rente abbezahlt. Doch auch Menschen jenseits der 50 brauchen nochmal Geld – etwa für nötige Sanierungen, barrierefreien Umbau oder den Umzug in eine kleinere Stadtwohnung. Das wird mit den Lebensjahren zwar schwieriger, aber nicht unmöglich.

Finanzierungsbedarf ermitteln

Zunächst gilt es, den genauen Bedarf zu ermitteln. Steht eine konkrete Investition an, etwa die Erneuerung von Dach oder Heizung, oder der behindertengerechte Umbau des Bades?

„Viele Menschen kommen mit einem eher vagen Bedarf zu uns in die Beratung“, sagt Alexander Krolzik, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. Für ihn besteht die wichtigste Aufgabe zunächst darin, möglichst exakt zu klären, „wann jemand wofür wie lange wie viel Geld braucht“.

Ein passend zugeschnittener Immobilienkredit ist für ihn dann fast immer die erste Wahl. Verrentungsmodelle wie Leibrente oder Teilverkauf seien in aller Regel ungünstiger.

Bekomme ich mit über 50 noch einen Immobilienkredit?

Wer von einer Bank unter welchen Umständen einen Immobilienkredit bekommt, hängt vor allem von der individuellen Geschäftspolitik des Instituts ab. Manche Banken haben strikte Altersgrenzen, andere sind offen für kreditsuchende Rentner.

Das Hauptrisiko für Banken besteht darin, dass ältere Kunden ihren Kredit nicht bis zum Lebensende zurückzahlen können. Dann muss dieser durch die Erben bedient werden oder durch Verkauf der als Sicherheit hinterlegten Immobilie.

„Natürlich ist dieses Risiko bei einem Rentner höher als bei einer jungen Familie“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und nicht jede Bank habe Lust, sich damit zu beschäftigen. „Manchmal bekommen die Leute nur wegen des Alters kein Geld, obwohl sonst alles passt“, bestätigt Alexander Krolzik.

Aber: „Nirgendwo steht, dass Kredite bis zum Lebensende abbezahlt sein müssen“, so Nauhauser. Zwar sollten Banken nach der 2016 in Kraft getretenen Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) der EU prüfen, ob Kunden Zins und Tilgung überhaupt aus ihrem Einkommen bestreiten können. Für Nauhauser war die mittlerweile wieder entschärfte WIKR aber oft nur ein Vorwand der Banken, nicht ihre eigene Geschäftspolitik als Ablehnungsgrund nennen zu müssen.

Der Experte empfiehlt daher, bei der Kreditsuche stets auch die Banken vor Ort zu kontaktieren. Denn die kennen nicht nur den lokalen Immobilienmarkt besser, sondern haben oft auch – anders als manch anonyme Internetbank – ein besonderes Interesse daran, regionale Immobilen zu verkaufen.

Gibt es eine Altersgrenze für einen Immobilienkredit?

In der Praxis nehmen Banken häufig das 75. Lebensjahr als Richtschnur. Bis dahin sollte der Kredit getilgt sein. Aber es gibt durchaus auch Tilgungsziele jenseits des 80. Lebensjahres. Anhand der maximalen Laufzeit ermittelt die Bank dann das mögliche Kreditvolumen und den Tilgungssatz. Gut möglich, dass von älteren Kunden dann eine höhere Tilgung verlangt wird oder es weniger Kredit gibt, als man möchte.

Prinzipiell kann man einen Kreditvertrag auch noch über 75 unterschreiben. Dann aber meist mit limitierter Kredithöhe, zum Beispiel 25.000 Euro. Und dazu muss auch die Bonität exzellent sein.

Gibt es spezielle Kreditangebote für Senioren?

Für die besonderen Bedürfnisse von Senioren hat die Kreditwirtschaft erste spezielle Angebote entwickelt. Eines davon hat die DZ Privatbank in Luxemburg für die Volks- und Raiffeisenbanken aufgesetzt. Es wird laut Experte Krolzik von etwa 100 der 800 Genossenschaftsinstitute in Deutschland unter verschiedenen Markennamen angeboten. Der Kredit wird hier flexibel ausgezahlt – in einer Rate, monatlich oder als Kombination von beidem. Ebenso flexibel wird getilgt – monatlich, in einer Summe oder nach individuellen Präferenzen. Dafür erfolgt allerdings auch die Verzinsung variabel und somit etwas teurer und risikoreicher.

Ein anderes Angebot nennt sich „Best-Ager-Darlehen“, kommt von der Allianz und richtet sich an Kunden ab 60 Jahre. Auch dieses Darlehen ist nicht zweckgebunden, muss nicht getilgt und auch explizit nicht zu Lebzeiten zurückgezahlt werden. Die Laufzeiten können bis zu 40 Jahre betragen, Erben können den Kredit ohne Vorfälligkeitsentschädigung ablösen. Immobilien können hier bis 40 Prozent beliehen werden.

So verbessern Sie Ihre Kreditchancen

Ältere Kunden können selbst dazu beitragen, ihre Kreditchancen und -konditionen zu verbessern.

1. Hoher Eigenkapitalanteil

Banken finanzieren in der Regel problemlos Immobilien bis zu einer Beleihungsgrenze von 80 Prozent. 20 Prozent des Beleihungswertes müssen Sie also selbst mitbringen. Wer mehr Eigenkapital einbringt, erleichtert der Bank die Entscheidung und bekommt oft auch bessere Konditionen.

2. Weitere Sicherheiten einbringen

Tendenziell werden Banken höhere Sicherheiten verlangen, je älter Kreditnehmer sind. Dazu können etwa Lebensversicherungen, Bausparverträge, betriebliche Altersvorsorge oder sonstige Kapitalanlagen gehören, die bei Fälligkeit auf den Kredit eingezahlt werden. Passend dazu sollten entsprechende Sondertilgungen vereinbart werden. Auch weitere Immobilien, Grundstücke, Wertpapiere oder Edelmetalle können als Sicherheit dienen.

3. Einkommen bei Renteneintritt berechnen

Der Übergang in die Rente ist oft ein kritischer Zeitpunkt. Denn hier kann das verfügbare Einkommen teilweise erheblich sinken, gleichzeitig steigen oft die Gesundheitskosten. Nicht umsonst lautet die generelle Empfehlung, Kredite möglichst bis zur Rente abzuzahlen. Zu Ihrer eigenen und zur Sicherheit der Bank hilft eine detaillierte Vorabberechnung, wie sich das Einkommen durch Renten, Zusatzrenten oder sonstige Versicherungen entwickeln wird.

4. Zweiter Darlehensnehmer oder Bürge

Hilfreich kann es auch sein, den Kreditvertrag gemeinsam mit einem jüngeren Partner zu unterschreiben, etwa dem Lebenspartner oder Kindern. Diese können auch als Bürgen auftreten. Und wer bereits ein Testament aufgesetzt hat, kann der Bank gegenüber dokumentieren, dass die Nachfolge geregelt ist. Mitunter kommt auch eine Restschuldversicherung in Frage. Diese übernimmt die restlichen Raten, falls der Kreditnehmer vorher stirbt. Verbraucherschützer sehen jedoch deren Kosten-Nutzen-Verhältnis kritisch.

5. Eigene Bonität prüfen

Die Bank ist verpflichtet, die Kreditwürdigkeit jedes Kunden zu prüfen. Dazu wird sie unter anderem eine Schufa-Auskunft einholen. Dies sollten Sie vorab selbst tun. Einmal im Jahr hat jeder das Recht auf eine kostenlose Selbstauskunft. Wird Ihnen ein Kredit ohne Schufa-Auskunft angeboten, sollten Sie skeptisch werden.

6. Kreditsumme durch Zuschüsse reduzieren

Nicht zuletzt sollten auch Zuschüsse geprüft werden, welche die Kreditsumme reduzieren. Die staatliche KfW etwa vergibt Zuschüsse und vergünstigte Darlehen für energetische Sanierung und barrierefreien Umbau des Eigenheims, die BAFA für die Heizungserneuerung.

So planen Sie den Ü50-Kredit

Wer seinen Kredit über den Renteneintritt hinaus tilgen muss, sollte sich eine möglichst große Flexibilität sichern. Dazu gibt es verschiedene Optionen.

1. Flexible Tilgung vereinbaren

Lassen Sie sich eine mögliche Änderung der Tilgungshöhe während der Kreditlaufzeit vertraglich zusichern. Es sollte möglich sein, den Tilgungssatz zwei-, drei- oder viermal während der Laufzeit kostenlos anzupassen. So könnten Sie etwa mit einer hohen Tilgung starten und diese mit Renteneintritt je nach Einkommenssituation zurückfahren.

2. Sondertilgung vereinbaren

Gerade wenn im Alter Kapitalanlagen fällig werden, Kapitallebensversicherungen etwa oder Bausparverträge, kann es sinnvoll sein, diese auf den Kredit einzuzahlen. Sondertilgungen sind oft bis fünf Prozent im Jahr kostenlos möglich. Versuchen Sie, eine möglichst hohe Sondertilgung auszuhandeln, wenn Sie bereits wissen, dass derlei Sondereinnahmen fließen werden.

3. Übergang ins neue Zuhause regeln

Nicht selten existiert bei einem Umzug im Alter eine bisherige Immobilie, die dann verkauft werden soll. Zur Zwischenfinanzierung eignet sich hier ein variables Darlehen, dessen Zins zwar meist etwas höher ist und mit dem Marktzins schwankt, das dafür aber jederzeit zurückgezahlt werden kann.

4. Laufzeit und Tilgung richtig wählen

In der Regel gehen kürzere Laufzeiten mit niedrigeren, längere mit höheren Zinsen einher. Im Alter empfehlen sich dennoch längere Laufzeiten, zum Beispiel 15 Jahre oder mehr, um unnötige Zinsrisiken zu vermeiden. Wenn der Kredit ohnehin nicht zu Lebzeiten abbezahlt werden soll, kann man versuchen, die Tilgung so niedrig wie möglich anzusetzen. Das verschafft mehr finanziellen Freiraum.

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Autor

Jürgen Baltes