Rente / 17.05.2021

Warum müssen immer mehr Rentner Steuern zahlen?

Viele Rentner müssen erstmals eine Steuererklärung abgeben. Von wem man sich dabei helfen lassen kann – ein Überblick.

Warum müssen immer mehr Rentner Steuern zahlen? – Rentnerin sitzt an einem Tisch mit Ordnern und Büchern und füllt ihre Steuererklärung aus.

Inhalt

Grundsätzlich sind Rentner und Rentnerinnen steuerpflichtig. Bei den meisten ist aber das Alterseinkommen noch zu gering, um tatsächlich davon etwas an den Fiskus abgeben zu müssen. Doch das ändert sich gerade. Bislang zahlen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums etwa 5,6 Millionen Steuerpflichtige Einkommensteuer auf Rentenbezüge, aber jedes Jahr wurden es zuletzt mehr.

Das liegt nicht nur an den vergangenen Rentenerhöhungen, durch die Ruheständler in eine Einkommenszone geraten, von der an Steuern fällig sind. Es ist auch darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Rente, der überhaupt steuerpflichtig ist, stetig wächst. In diesem Jahr sind für Neurentner bereits 81 Prozent der Bruttorente steuerpflichtig. Dieser Anteil wächst bis 2040 auf 100 Prozent. 

Fristen für die Steuererklärung 2020

  • zur Steuererklärung verpflichtet, ohne Steuerberater: 2.8.2021
  • zur Steuererklärung verpflichtet, mit Steuerberater: 28.2.2022
  • nicht verpflichtet, freiwillige Abgabe: 31.12.2024

Welche Folgen hat das für die Ruheständler?

Zehntausende Ruheständler müssen für 2020 erstmals Steuern zahlen. Oft wissen sie das aber gar nicht – bis ihnen das Finanzamt schreibt. Mitunter trifft dies auch Menschen in einem gesegneten Alter. „Derzeit werden in verschiedenen Bundesländern langjährige Rentner, darunter auch über 90-Jährige aufgefordert, rückwirkend von 2016 an, Steuererklärungen abzugeben“, heißt es beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Was soll man tun, wenn das Finanzamt Steuererklärungen einfordert?

Der BVL rät, möglichst zeitnah auf solche Schreiben zu antworten und zunächst das Finanzamt zu bitten, die Abgabefrist um ein oder zwei Monate zu verlängern, idealerweise mit einem Hinweis, wann man die Erklärung spätestens abgeben wolle. Die Abgabefrist für selbst erstellte Steuererklärungen für das Jahr 2020 endet in der Regel am 2. August 2021. Finanzämter können aber durchaus verlangen, dass fehlende Steuererklärungen für die Vorjahre schneller einzureichen sind. Hilfreich beim Ausfüllen ist auf jeden Fall die Mitteilung über die Rentenbezüge, die die Rentenversicherung ausstellt.

Lohnt sich ein Steuerberater?

Das hängt davon ab, wie aufwendig die Steuererklärung ist. Normalerweise müssen Angestellte, Rentner oder Beamte, die nur Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit oder nur eine Rente oder Pension erhalten, nicht zum Steuerberater oder zur Steuerberaterin gehen. Anders liegt der Fall, wenn es komplizierter wird, etwa, weil höhere Kapitaleinkünfte oder Mieteinnahmen anzugeben sind. Die professionelle Hilfe kann dann allerdings je nach Aufwand schnell ein paar hundert Euro und auch deutlich mehr kosten. Immerhin kann man zum Großteil diese Kosten von der Steuer absetzen.

Wann lohnt sich ein Lohnsteuerhilfeverein?

Ist die Steuererklärung nicht zu kompliziert, sind in der Regel nicht nur Rentner, sondern auch Arbeitnehmer oder Beamte bei einem Steuerhilfeverein gut aufgehoben. Ein Verein in der Nähe ist leicht über das Internet zu finden, und die Leistungen sind deutlich günstiger zu bekommen als beim Steuerberater. Die Vereine helfen beim Ausfüllen der Steuererklärung, klären Steuerfragen und unterstützen ihre Mitglieder, etwa wenn gegen einen Steuerbescheid Einspruch einzulegen ist. Fünf Millionen Menschen nutzen hierzulande bereits dieses Angebot.

Was kostet die Steuererklärung mit einem Lohnsteuerhilfeverein?

Im Durchschnitt liegt der Mitgliedsbeitrag bei 150 Euro im Jahr. Die Hilfe bei der Steuererklärung ist inklusive. Meist ist dieser Jahresbeitrag sozial gestaffelt, von 50 bis 400 Euro. Oben drauf ist eine einmalige Aufnahmegebühr von 10 oder 15 Euro fällig.

Welche Einschränkungen gelten für Lohnsteuerhilfevereine?

Die Vereine dürfen nicht beraten, wenn Gewinne aus einem Gewerbebetrieb oder aus einer selbständigen Tätigkeit vorliegen. Mandanten mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung dürfen sie nur nehmen, wenn diese nicht mehr als 18.000 (Alleinstehende) oder 36.000 Euro (Verheiratete) pro Jahr betragen.

Helfen auch Steuer-Apps und Steuersoftware?

Diejenigen, die ihre Steuererklärung selbst anfertigen wollen, können statt der Steuerformulare auf Papier auch das kostenlose Online-Programm Elster der Finanzämter nutzen.

Eine gute Alternative ist eine kommerzielle Steuersoftware, die als Download, Handy-App oder Browser-Software erhältlich ist, wie das Wiso Steuer-Sparbuch, Wiso Steuer-web oder Tax). Bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest, die allerdings schon etwa zwei Jahre zurückliegt, schnitt das Wiso Steuersparbuch (Preis: knapp 30 Euro) am besten ab.

Hilfe bei der Steuererklärung für Rentner

Wenn Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen, hilft die Deutschen Rentenversicherung mit der kostenlosen „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“. Der Experte erklärt, wie das geht.

Autor

Robert Thiel