Als dann mal schon am Vormittag das Geld alle war, bin ich mit einer Kollegin in deren Trabbi zur Staatsbank gefahren, wo wir durch geheime Gänge in Tresorräume geführt wurden. Dort packten wir ein paar Hunderttausend D-Mark in die mitgebrachte Plastiktüte eines bekannten Lebensmittelmarktes und fuhren zurück. Am Dienstgebäude glaubte es keiner der wartenden Rentner so recht, als unser Bereichsleiter lauthals verkündete, dass wir mit unserer Plastiktüte die Geldboten sind und die Auszahlung jetzt fortgesetzt werden könne.
Das größte Problem: In unserer Auskunfts- und Beratungsstelle fiel uns während der Sprechzeit im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf Kopf. Gott sei Dank wurden eine Besucherin und eine Mitarbeiterin nur leicht verletzt. Als dann eine Woche später auf einer der Etagen eine Wand einstürzte, waren unsere Tage in dem Gebäude gezählt. In überwiegender Nachtarbeit – ich war größtenteils mit vor Ort – hatten Baufirmen und Statiker schnell festgestellt, dass das Gebäude ein Sicherheitsrisiko darstellt und für die Belastung mit den Mitarbeitern und den täglich mehreren hundert Besuchern nicht mehr geeignet ist.
Die Entscheidung fiel an einem Sonntag. Am Montag standen wir zu Dienstbeginn vor dem Haus und schickten die Mitarbeiterinnen wieder nach Hause. Mit einigen wenigen machten wir uns an die Räumung. Wir zogen Hals über Kopf in den Verwaltungsteil des ehemaligen Staatsratsgebäudes, um die Arbeit nach wenigen Tagen wieder aufnehmen zu können und unseren Kunden den erwarteten Service zu bieten. Mit der Unterstützung aller, auch aus der Hauptverwaltung der LVA, haben wir diese brenzlige Zeit gut gemeistert.
