München (sth). Der Altersvorsorge-Experte Axel Börsch-Supan hat die kurz gehaltenen Aussagen zur Rentenpolitik im Koalitionsvertrag der Bundesregierung angesichts der demografischen Entwicklung scharf kritisiert. „Warum würdigen die neuen Koalitionäre diesem Thema noch nicht einmal anderthalb Prozent ihres gewichtigen Werkes diesem Thema?”, schreibt der Direktor des Münchner Max Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik in einer am Freitag von seinem Institut veröffentlichten kommentierenden Analyse. Der Koalitionsvertrag befasst sich auf etwa zwei von 177 Seiten (73-75) mit dem Thema „Alterssicherung und Renteneintritt”.
„Die Verdrängung des demographischen Wandels als eine große Bedrohung für die finanzielle und soziale Nachhaltigkeit der Alterssicherung in Deutschland erinnert an die Verdrängung des Klimawandels noch bis vor ganz Kurzem”, heißt es in der Studie des Ökonomen. „Offenbar brauchen wir auch in der Alterssicherung erst eine Krise, um aufzuwachen und zu verstehen, dass es wie beim Klimawandel notwendig ist, langfristig zu denken und rechtzeitig zu reagieren.”
Die Rentenpolitik der Ampel-Koalition bestehe „zum großen Teil aus Verdrängung und rückwärtsgewandten Maßnahmen, die nachhaltige und generationengerechte Lösungen wieder abwickeln”, moniert Börsch-Supan weiter. Das sei „weder generationengerecht noch nachhaltig”. Im Gegensatz zu den Plänen der früheren rot-grünen Koalition unter Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werde das Wort „nachhaltig“ von der neuen Bundesregierung in ihren Aussagen zur Alterssicherung vermieden. „Es ist deprimierend, wie die drei Parteien, die die Jugend ansprechen und mehr Fortschritt wagen wollen, so rückschrittlich nur die ältere Generation im Blick haben”, kritisiert der Experte, der auch Mitglied der Rentenkommission der alten Bundesregierung war.
