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Chefin der Wirtschaftsweisen will degressives Rentenmodell

Schnitzer: Von jedem Jahr durchschnittlich steigender Lebenserwartung sollten acht Monate auf Arbeit, vier auf längeren Rentenbezug entfallen.

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Ökonomin Prof. Monika Schnitzer, Mitglied des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. (Bild: Sachverständigenrat)

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München (sth). Den Umstieg auf ein degressives Rentenmodell in Deutschland hat die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, gefordert. In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe) plädierte die Ökonomin dafür, unter den Rentnerinnen und Rentnern umzuverteilen. „Wer doppelt so viel in die Rentenkasse einzahlt, sollte nicht automatisch doppelt so viel herausbekommen“, sagte Schnitzer. „Wir sollten besonders hohe Renten künftig abschmelzen. Wer üppige Rentenansprüche erworben hat, bekäme dann etwas weniger.“

Auch der Sozialbeirat der Bundesregierung hatte in seinem Gutachten zum aktuellen Rentenversicherungsbericht eine Abkehr vom sogenannten Äquivalenzprinzip in der Rentenversicherung für denkbar gehalten. Es sei „hochinteressant“, dass der Sozialbeirat „eine vorsichtige Andeutung“ für einen solchen Lösungsweg gemacht habe, schrieb der frühere Vorsitzende des Sozialbeirats, der Ökonom Gert G. Wagner jetzt in der Fachzeitschrift „Wirtschaftsdienst“. Das Äquivalenzprinzip sieht in Deutschland eine strikte Bindung der gezahlten Rentenbeiträge an die Höhe der späteren Rente vor. 

Für 2:1-Modell beim Anstieg des Rentenalters

Mit Blick auf die von ihr angenommene weiter steigende allgemeine Lebenserwartung sprach sich Schnitzer für das auch von anderen Wirtschaftswissenschaftlern favorisierte 2:1-Modell bei der Anhebung des Rentenalters aus. Demnach sollen von jedem Jahr des längeren Lebensalters acht Monate auf mehr Arbeit und vier Monate auf einen längeren Rentenbezug entfallen. „Das würde hochgerechnet heißen: Im Jahr 2061 wären wir bei der Rente mit 69. Bei einer Rente mit 70 wären wir erst in 55 Jahren“, erklärte die Chefin der sogenannten fünf Wirtschaftsweisen. „Die junge Generation hätte also viel Zeit sich darauf einzustellen.“

Schnitzer plädierte zudem dafür, den Beitragssatz zur Rentenversicherung von derzeit 18,6 Prozent trotz aktuell gut gefüllter Rentenkassen schon jetzt weiter anzuheben. Auf diese Weise könne man die Babyboomer-Generation, die in den kommenden Jahren in Rente geht, noch an den Kosten beteiligen. „Und wir sollten die Renten im Laufe der Zeit weniger stark steigen lassen“, forderte Schnitzer. „Bisher sind die Renten an die Löhne gekoppelt. Das sollte sich ändern. Die Renten sollten nicht mehr so stark steigen wie die Löhne“, sagte die Professorin an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Sie forderte zudem, die vorgezogene Altersrente für Beschäftigte mit 45 Beitragsjahren wieder aufzugeben. „Das funktioniert nicht“, sagte Schnitzer.  

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