Ihre-Vorsorge Logo

DRV Bayern Süd gedenkt des Staatskommissars für NS-Verfolgte

Der Regional-Rentenversicherer für Ober- und Niederbayern, das Netzwerk „Zeugnis Zeugen“ und der Verein NordOstKultur erinnerten an Philipp Auerbach.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

DRV Bayern Süd gedenkt des Staatskommissars für NS-Verfolgte

© Nicht definiert

Nach Enthüllung der Gedenktafel für Philipp Auerbach (v.l.): Ivor Parvanov, Vorsitzender des Vorstands DRV Bayern Süd, Dr. Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Hans-Hermann Klare, Buchautor, Ruth Back, Netzwerk "Zeugnis Zeugen", Dr. Verena Di Pasquale, alternierende Vorsitzende des Vorstands DRV Bayern Süd, Armin Zemann-Caspary, Gründer von "Zeugnis Zeugen", Dr. Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter des Freistaats Bayern, Mo Lüttig, Stadträt*in. Quelle: DRV Bayern Süd

München (drv). Gemeinsam haben die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd, das Netzwerk „Zeugnis Zeugen“ und der Verein Nord-OstKultur jetzt ein Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur und zivilgesellschaftliches Engagement gesetzt. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, Dr. Charlotte Knobloch, und weitere Gäste aus Politik, Kultur, Verwaltung und Medien gedachten Ende vergangener Woche des Auschwitz-Überlebenden und ehemaligen Staatskommissars für politisch, rassisch und religiös Verfolgte in Bayern, Philipp Auerbach.

Die Veranstaltung fand in einem Verwaltungsgebäude der DRV Bayern Süd in der Holbeinstraße 9 in München statt, in dem Auerbach im Jahr 1946 seine Arbeit als Staatskommissar aufgenommen hatte. Der Autor der Biografie von Philipp Auerbach, Hans-Hermann Klare, führte durch das Programm.

Der Gründer von „Zeugnis Zeugen“, Armin Zemann-Caspary, erzählte, wie seine Mitstreiterin Ruth Back und er auf Klares Buch aufmerksam geworden seien. Die „differenzierte und einfühlsame Beschreibung eines Menschen ohne Idealisierungen“, habe sie dazu bewogen, sich für das Gedenken an Auerbach zu engagieren. Auch über die Veranstaltung hinaus wolle man sich dafür einsetzen, dass in München eine Straße nach Philipp Auerbach benannt wird.

Behörde gab 100.000 NS-Verfolgten eine Zukunft

Das Wirken Auerbachs fasste Klare so zusammen: „Sein Leben aber war nicht vor allem deshalb bemerkenswert, weil er dem Tod durch Kälte, Krankheit und SS in jenen Jahren entkommen war. Es war außergewöhnlich, weil er im Bewusstsein dieses Leidens hier in München etwas Großes begann: Er baute eine Behörde auf, die etwa Hunderttausend Seinesgleichen eine Zukunft gab, zunächst durch Kleiderspenden und Unterkunft oder medizinische Behandlung, schließlich durch Hilfe zur Auswanderung und Wiedergutmachung.“

Auerbachs kompromissloser Einsatz sei oft umstritten, die Kritik an seinem Tun oft antisemitisch gewesen. In einem Skandal-Prozess verurteilten ihn Richter mit NS-Vergangenheit im August 1952 wegen angeblicher Bestechung und lückenhafter Buchführung zu einer Haft- und Geldstrafe. Auerbach nahm sich am selben Tag das Leben. Er wurde 45 Jahre alt. Ein Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags rehabilitierte ihn 1954 vollständig.

“Beitrag gegen das Vergessen leisten”

Die alternierende Vorsitzende des Vorstands der DRV Bayern Süd und stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bayern, Dr. Verena Di Pasquale, betonte in ihrer Rede, dass sich der Rentenversicherer gerade selbst mit seiner Rolle während der NS-Diktatur auseinandergesetzt habe, als sie durch „Zeugnis Zeugen“ von Auerbachs Geschichte erfuhr: „Uns als Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd ist es sehr wichtig, einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten. Wir wollen Geschichte transparent machen. Wir wollen erinnern – an geschehenes Unrecht genauso wie an mutige, aufrichtige Charaktere wie Philipp Auerbach.“

Dr. Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter des Freistaats Bayern, hob in seiner Ansprache die Bedeutung der Veranstaltung für die Erinnerungskultur in Bayern hervor. Die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Dr. Mirjam Zadoff, ordnete Auerbachs Schicksal in den historischen Kontext der Nachkriegszeit ein.

Anschließend enthüllten Jonathan Coenen und Rhiannon Moutafis vom Erinnerungsort BADEHAUS, Waldram-Föhrenwald, eine Gedenktafel an der Außenfassade des Gebäudes, die künftig an Auerbach erinnern soll.

Mehr zum Thema

Buchtipps:

  • Hans-Herrmann Klare: Eine jüdisch-deutsche Tragödie. Wie der Antisemitismus den Krieg überlebte. Aufbau-Verlag.
  • Dr. Christoph Wehner, Prof. Marc von Miquel: Die bayerischen Landesversicherungsanstalten im „Dritten Reich“. Zum Download.

Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Der Besteuerungsanteil steigt stetig weiter. Woran das liegt und warum viele Rentner trotzdem keine Steuern zahlen müssen.

Time
2 Minuten

Die Spitzen von Union und SPD hatten sich im Sommer auf mehrere große Reformen verständigt, etwa bei der Rente. Wie schnell kann es nun damit vorangehen?

Time
2 Minuten

Wer früher in Rente gehen will, muss Abschläge in Kauf nehmen. Doch dagegen kann man etwas tun.

Time
2 Minuten

Rentenniveaugarantie, Mütterrente und Reformpakete: Warum die Pläne der Regierung für Milliardenrisiken sorgen und der Rechnungshof Alarm schlägt.

Time
2 Minuten

Viele Menschen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Nicht selten treten diese dafür im Job kürzer. Unter Umständen kann aber die Pflege etwas für die Rente bringen.

Time
2 Minuten

Die Koalition steht vor wegweisenden Wochen. Werden Reformvorhaben unter Dach und Fach gebracht?

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026