Berlin (diw/sth). In den vergangenen 25 Jahren sind sowohl Löhne und Renten als auch die Haushaltsnettoeinkommen preisbereinigt gestiegen. Die Ungleichheit bei den Löhnen ist seit rund zehn Jahren deutlich gefallen, bei den verfügbaren Einkommen liegt sie weiterhin auf dem Niveau von 2005. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) jährlich die Einkommensentwicklung untersucht.
Studienautor Markus M. Grabka legte den Fokus der diesjährigen Untersuchung auf die langfristige Entwicklung von 1995 bis zur Corona-Pandemie (2020). Die Entwicklung lässt sich seiner Analyse zufolge in drei Phasen unterteilen: eine Stagnation von 1995 bis 2003, eine Zeit des Abschwungs bis zur Weltfinanzkrise, ein anhaltender Aufschwung mit ab 2013 bis zur Corona-Pandemie kräftig steigenden Bruttostunden- und Monatslöhnen. Die Verdienste der Beschäftigten legten laut Grabka – über den gesamten 25-Jahres-Zeitraum hinweg gesehen – im Schnitt um zehn Prozent zu, bei den Vollzeitbeschäftigten sogar um das Doppelte. „Diese unterschiedliche Entwicklung ist vor allem der vermehrten Teilzeitarbeit und der gestiegenen Zahl von Minijobs geschuldet“, sagt Grabka.
Gesetzliche Renten legten von 2013 bis 2020 um knapp 20 Prozent zu
Die positive Entwicklung der Löhne schlägt sich laut der DIW-Studie "auch in den Haushaltsnettoeinkommen nieder, die seit 1995 um 26 Prozent zugelegt haben". Die Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, neben der Erwerbstätigkeit die zweitwichtigste Einkommensquelle, hätten sich ähnlich entwickelt, so Grabka: "Seit 1995 haben sie um acht Prozent zugelegt, seit 2013 sogar um knapp 20 Prozent." Wie sich die Corona-Pandemie auf Löhne, Einkommen und deren Ungleichheit auswirkt, ist nach Angaben des DIW-Sozialforschers bisher nur unvollständig erfasst. Vorläufige Stichproben ließen vermuten, dass die Pandemie "die Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen bisher nicht erhöht hat". Die Auswirkungen der stark gestiegenen Inflation könnten aber eine größere Belastung von unteren und mittleren Einkommensbeziehern zur Folge haben.
„Die von der Bundesregierung beschlossene Energiepreispauschale ist als Entlastungsmaßnahme zu begrüßen“, sagt Grabka. Da diese aber nur für alle aktiv tätigen Erwerbspersonen gewährt werde, dürften andere Haushalte, die von dieser Maßnahme ausgeschlossen sind, nicht aus dem Blick geraten, wie Rentnerinnen, Rentner oder auch Studierende. „Für diese Gruppen sollten daher andere Instrumente einer finanziellen Unterstützung gefunden werden“, meint Grabka.
