Berlin (sth). Immer mehr gesetzlich rentenversicherte Seniorinnen und Senioren erreichen ein sehr hohes Lebensalter - und beziehen über Jahrzehnte hinweg eine gesetzliche Rente. Nach aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hatten Ende des Jahres 2024 etwa 18.500 Rentnerinnen und Rentner das 100. Lebensjahr vollendet, darunter rund 15.500 Frauen und etwa 3000 Männer. Die Daten liegen ihre-vorsorge.de vor. Das waren fast 5500 hochbetagte Rentnerinnen und Rentner mehr als Ende des Jahres 2015, als die DRV-Statistiker etwa 10.400 Frauen und 2700 Männer zählten (insgesamt rund 13.000).
Mehr als 4300 der im Vorjahr über 100-jährigen Altersrenten-Beziehenden wohnten laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Thomas Korell im Ausland. Die meisten Renten an „hochaltrige“ Rentnerinnen und Rentner, die Ende 2024 jenseits der deutschen Grenzen wohnten, wurden demnach an Ruheständler mit Wohnsitz in den USA (824 Renten) gezahlt. Es folgten den DRV-Daten zufolge Israel (656 Renten), Kanada (464 Renten), Italien (420 Renten), Belgien (276 Renten), Spanien (261 Renten), Österreich (221 Renten), Australien (209 Renten) und Frankreich (190 Renten).
Herausforderung Langlebigkeit
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, vor welchen Herausforderungen alle Alterssicherungssysteme in Deutschland angesichts einer wieder steigenden allgemeinen Lebenserwartung bei der Absicherung des sogenannten Langlebigkeitsrisikos stehen - und wie wichtig lebenslange Rentenzahlungen nicht nur aus den gesetzlichen Rentenkassen sind, sondern auch durch betriebliche und private Altersvorsorge. So wies die Präsidentin der DRV Bund, Gundula Roßbach, vor zwei Jahren vor Medienvertretern darauf hin, dass nach der damals aktuellen Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes “von den heute 67jährigen Männern immerhin 36 Prozent älter als 87 Jahre (werden), bei den Frauen sind es sogar 52 Prozent”.
Dennoch gab es in der von der Ampel-Koalition eingesetzten “Fokusgruppe private Altersvorsorge” zur Reform der Riester-Rente gewichtige Stimmen, die sich statt lebenslanger Rentenzahlungen auch zeitlich befristete Auszahlungspläne vorstellen konnten. Eine Empfehlung, die bei der DRV-Chefin seinerzeit Kopfschütteln auslöste: Selbst wenn bei solchen Verträgen die Auszahlungsphase 20 Jahre lang wäre - und damit etwa so lang wie die heutige durchschnittliche Laufzeit gesetzlicher Renten -, “würde ein erheblicher Teil der Vorsorgenden im Alter mit dem Wegfall der Leistungen aus dieser Vorsorge konfrontiert”, warnte Roßbach.
Zwar ist die Ampel-Koalition inzwischen Geschichte. Doch auch die jetzige schwarz-rote Bundesregierung hat sich eine Reform der privaten Altersvorsorge auf die Fahnen geschrieben. Deshalb gilt für die neue Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (beide SPD) weiterhin die damalige Ansage der Rentenversicherungs-Chefin: “Eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass das Leitbild der Lebensstandardsicherung aus mehreren Säulen (gesetzliche Rente, betriebliche und private Altersvorsorge, d. Red.) realisiert werden kann, ist die obligatorische Absicherung des Langlebigkeitsrisikos durch die geförderte zusätzliche Altersvorsorge. … Es geht um Lebensstandardsicherung ein Leben lang – und nicht nur in einem begrenzten Lebensabschnitt im Alter."
